Analysefibel
Analysefibel 

Seiteninhalt:.Schule Chaos-Kids - Aufstiegssprosse (Lernablenkungen/Ich bin Person, eine Persönlichkeit/Immer noch Hierarchien/Was einzubringen ist/Aufstiegs-planung) - Thema Schule (Wirtschaft lehren?/Immer die Hauptschule/TIMMS? TIMMS! Hauptschule = Restschule?) - Lernen wann für was warum? - "Hochunbegabte" - Berufliche Affinitäten - Konzerne, Ausbildungs-Trittbrettfahrer? Verantwortung für Ausbildung - Abbrecher

 

BF-Texte. Das sind Artikel, die im Laufe der Jahre im Bewerberforum erschienen sind. (Kursivtexte sind Einfügungen bei Einstellung in die Website 2013.) 

Schule Chaoskids? 2005

 

   Nervös - unkonzentriert - bedingt gemeinschaftsfähig - lernuntauglich - zerbröselnde Elternhäuser - Unbehauste - permissiv - desorientiert - überfordert - egozentrisch - unsozial - unkonzentriert - frustriert - Walkman im Ohr - permanente Sinnesreize - pausenlos Fun - kein Bock - aggressiv - Manieren vom Hörensagen - arrogante Selbstverständlichkeit - zehn Minuten später im Unterricht - Zigaretten fertig rauchen - unverfroren - Frühstück im Unterricht - voller Mund - pikiert - Fritten reinziehen - taktlose Empörung - Unverständnis - minimale Ordnungsregeln - keine Einhaltung von Regeln des Zusammenlebens - unfähig, sich in andere hinein zu versetzen - Schulhof zur Müllkippe - kein Unrechts- und Schuldbewusstsein - Andere sind schuld - keine freien, mündigen Individuen - keine Solidarität mit Schwächeren - keine Sensibilität für Ungerechtigkeit - Chaoskids- Baseball-Käppis - Protestgeheul - Essen und Trinken im Unterricht - Randale - Sachbeschädigung - bequeme Opfermentalität -. chronisch fortschreitende Infantilisierung - Generation von Rausrednern - Lavierer - Andere sind die Sündenböcke - narzistischer Egoismus - Ellenbogen - geschickte Taktierer - Verständnistour reiten - Unruhe - Disziplinlosigkeit - mangelnde Höflichkeit - Respektlosigkeit - Rücksichtslosigkeit - rauh - trotzig - zynische Attitüde - Bad Boys - freundlich = schleimig - empfindlich - destruktive und barbarische Triebe.  ... Quelle: alles fast wörtliche Blütenlese aus einem Artikel der FAZ 253/98 II.  

 

Warum die Wiedergabe?

 Was hatte es mit den schockierenden Formulierungen in der namhaften Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf sich? Wie viel Wirklichkeit, wie viel Überzeichnung, wie viel Ungerechtigkeit, wie viel Verallgemeinerung steckt dahinter? Es gab keinen Furor. Eine einzige Leserzuschrift aus nördlichen Gefilden zum Artikel versuchte , die inkriminierten Passagen zwar zurecht zu rücken, aber substantiell wurde nicht widersprochen. Auch nicht der Darstellung einer Horrorschule in diesem Artikel. So bleiben die Rückfragen ohne Antwort.

 Der Verleger kannte und kennt mehrere Dutzend Pädagogen. Nur drei gehören zur Kategorie der Note 6. Der eine prophezeite dem Zwölfjährigen wegen Störung des Unterrichts eine kriminelle Lebenslaufbahn, ein zweiter - Professor, später im Bundestag aktiv für die SPD - machte ihn vor dem Auditorium fertig wegen geäußerter politisch-kritischen Einstellung zur Wirtschaftspolitik einer ehemaligen Regierung und ein dritter, ach was, das, was der Autor heute zu denken und schreiben in der Lage ist, das verdankt er seinen Lehrern. Etlichen konnte er das auch sagen; sie haben sich gefreut.

  Der Autor besuchte 23 Jahre einmal im Jahr ca. 250 Schulen. Unzählige Male überquerte er die Schulhöfe während einer Pause. Nie, gar nie, bemerkte er den geringsten disziplinären Unterschied bei Schülern im Vergleich zu seiner eigenen Schulzeit, die ja lange zurücklag. Wenn's auch nur Einer oder Eine mitbekommt, die Tür wird aufgehalten. - Dann, wenn sich die Klassenzimmer leeren! Wenn sich Meuten die Treppen hinunterstürzen! Schreien, Gestikulieren, Drängeln. Da kommt so ein Gegenströmer die Treppen hoch, genötigt, die Ellbogen etwas auszustemmen. Blitzartiges Ausweichen, hin und wieder ein Rempler, ganz deutlich, die Augen waren ganz wo anders, nur nicht auf den Entgegenkommenden gerichtet. Reflexartiges Verändern des Gesichtsausdruckes: Sorry Alter! Tagein, tagaus gehören die Treppen bei Pausenbeginn und -ende den Schülern. So gut wie nie die Erfahrung, dass dann ausgerechnet bei diesem unbeschwerten Gedränge ein Typ dagegenläuft - überhaupt, hat nicht jeder Pulk zwangläufig Randständige? Was kann ein fuchtelnder, zur Rücksichtnahme bereiter Schüler denn dafür, dass seine Nebenleute rein gar nichts mitbekommen, einfach Leiberstrom sind? Alles Dünnemachenmüssen an ihm hängen bleibt? Der Autor war in Physik (Drücke, Strömung, Widerstand, Aggregatzustände, Volumina, Körper, Kräfte, Verdrängung, Geschwindigkeit, Verzögerung, Beschleunigung, Bremskräfte, Richtungsänderung, Zug - was fehlt noch?) immer einigermaßen gut, Was sich nun allemal auszahlt beim Erklimmen von Treppenabschnitten bei Pausenanfängen und -enden!

  Und die Gesichter der jungen Leute! Mal ehrlich - haben die Erwachsenen nicht immer öfter verkniffene Mienen? Begegnet man nicht regelmäßig unsympathischen Physiognomien auf den Straßen, in den Büros, in den Bahnen? Was wohl jene aber empfinden, wenn sie meinereins zu Gesicht bekommen? Andererseits: der Autor schaut gerne, mit Freude und Genugtuung auf das junge Gemüse, das da heranwächst und der Reife nicht entgeht. Steht den Rentenanwärtern auch gut an, wenn sie ihre Ansprüche weiterhin von diesen Nachwachsenden finanziert haben wollen. Wohl wahr, nicht wahr!

Ausbildung - Die Sprosse

 

Lernablenkungen (2004)

   Lernen verlangt Konzentration auf das zu Erlernende. Ablenkungen sind Störungen, Verminderung des Lerneffektes. Sie sind also unerwünscht - leider aber oftmals mit Blick auf das Umfeld sogar heiß ersehnt oder schlicht vorhanden, gar nicht oder kaum zu verdrängen bzw. zu beseitigen.

  Da ist ein Geschehen oder Erleben, das häufig nicht nur das Denken und Fühlen, sondern gar das ganze Ich in Beschlag nimmt. Man ist u. U. nicht mehr sich selbst. Es herrscht hier eine so große Vielfalt, dass sie sich einer Vollständigkeit in der Darstellung entzieht: Es gab Krach mit den Eltern oder Geschwistern, mit Freunden. Ein solcher ist vergleichsweise harmlos, da meist vorübergehend und durch entsprechendes Verhalten zu glätten. Schlimmer steht es bei Gegebenheiten solchen gegenüber, von denen man abhängig ist oder gegen die man sich nicht recht wehren kann. Praktizierte Boshaftigkeit ist häufiger anzutreffen als ein zunächst naiv denkender Mensch sich vorstellen kann. Sie gerät etwa zum Mobbing. Oder was will man machen, wenn die zwischenmenschliche Chemie bei bedeutsamer Konstellation nicht stimmt? Man empfindet Abneigung gegen Andere oder gegen den Lernstoff, die Lerntätigkeit.

  Die größten Ablenkungspotentiale stecken aber in oftmals sogar als höchst erregend empfundenen Phasen, dann, wenn das andere Geschlecht interessant zu werden beginnt, wenn es sich gar zur Prioriät entwickelt. Das gilt insbesondere bei Liebeskummer. - Zu den Zeiten des Cromagnon (jüngere Altsteinzeit, 30tausend v. Chr., von ihnen stammen die berühmten Höhlenmalereien z. B. in den Höhlen Cromagnon oder Lascaux, F, Bezirk Dordogne - oder 10tausend Jahre früher auf der Schwäbischen Alb, Schelklingen oder an der Lone) da waren ein Junge oder eine junge Dame wohl mit 14, 15 Jahren, was Ausbildung anbetraf, reif fürs Leben. Man hatte alle Zeit übrig für die Liebe. Heutzutage beginnt in diesem Alter eine schwere Zeit. Das Lernen bekommt ein Gewicht und eine Bedeutung, die die ganze geistige Kapazität  des Menschen in Beschlag belegt (belegen sollte). Die Liebe konkurriert mit den Anforderungen der Ausbildung. Die optimale Balance zu gewinnen oder zu halten, gerät zum Kunststück. Gibt es eine Lösung, Konzepte? Eigentlich nicht. Wichtig ist jedoch, dass man in dieser Zeit wenigstens versucht, die Phasen zu managen oder sich ihrer wenigstens bewusst zu werden, so, dass man noch zu Abwägungen fähig ist.

  Konzentration erlaubt keine Streuung oder Spaltung der Aufmerksamkeit. Sie verlangt Fokussierung. Das muss trainiert werden, wenn sie einem schon nicht in den Schoß fällt. Während die Liebe den Menschen rund um die Uhr in Beschlag zu nehmen geneigt ist, gibt es in Richtung Lernen und Ausbilden eine gewisse Linderung dergestalt, dass man deren Erfordernisse genügen kann innerhalb einer Zeitspanne. Ist die rum, dann kann die geistige Ausrichtung einen Schwenk machen.

  Ein generelles Rezept zur Überwindung der vielfältigen Ablenkungen gibt es nicht. Aber es gibt Unterschiede hin-sichtlich  der Ablenkungsarten - nicht ausdifferenzierte, sondern tendenzielle.

  Negativ empfundene Ablenkungen wirken belastend für Psyche und Körper mit entsprechenden Symptomen. Wenn das Lernen noch zusätzlich Unlustgefühle gebiert, dann ist Alarm angesagt. Dann gelingt nichts mehr. Der Lernerfolg ist gleich Null. Hier kann nur ein Rat gegeben werden: Man darf Unlust beim Lernen keinen Raum geben. Man muss gerne lernen, auch trickreich in kleinen Schritten.. Wie das? Man mobilisiere die latent immer vorhandene Neugierde. Und man begreife die Anforderungen des Lernens als Ablenkung (so!) vom Bedrückenden. So können sie Erleichterung verschaffen.

  Viel problematischer gerieren sich positiv empfundene Ablenkungen. Da verlangt der/die Lehrende, Ausbildende, für eine abgegrenzte Zeit die volle Aufmerksamkeit.  Ohne Vorwarnung, ohne Bewusstwerden schiebt sich aus der Gefühlszone heraus ein als angenehm empfundenes Gedankengebilde in die Gegenwart. Das kann sich zum Träumen entwickeln. Nichts, aber auch gar nichts bekommt man vom Lehrvortrag mit. Oder man begeht eine Handlung, die großen Schaden anrichtet. Die entstandene Bedrückung schleppt man mit sich lange herum. Was tun? Es gibt keine Lösung, die von außen kommen könnte. Es hilft nur eines: Die Selbstdisziplinierung als Kunst, die man erlernen muss - und kann.

 

Ich bin Person - eine Persönlichkeit (2002)

  Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wer und was Sie sind? Wer dieses Nachdenken versäumt, unterlässt das Sich-Bewusstwerden des eigenen Ichs. Es kann nicht angehen, dass man einfach nur ist. Die pure Existenz garantiert zwar das physische Dasein, aber durchaus nicht ein personales Sein mit all seinen Dimensionen. Man muss schon mal zu sich selbst "Du Ich" sagen, sich selbst anreden. Dabei wendet man sich wohl weniger an seinen Körper als vielmehr an seinen Geist, denn dieser macht die Person, das Ich aus. Meinen wir.

  Sind Sie so, wie Sie sich selbst sehen, zufrieden mit sich? Wenn ja, ist es gut, wenn nein noch nicht schlecht. Warum? Es könnte sein, dass Sie halt strenges Maß an sich anlegen, sich also selbstkritisch betrachten. Offensichtlich kann man nur so ein gewisses Bewusstsein über seine Mankos erlangen. So besteht also die Möglichkeit, dass man fröhlich und unbeschwert mit freier Psyche fürbaß wandelt, oder aber stets hinterfragend Gegebenheiten und Ereignisse als Klippen oder Stolperstein erlebt. Wer die beiden Pole als negativ empfindet, wird klugerweise Mittelwege erspähen wollen.         

  Heutigen Tages sieht man im Fernsehen oft Leute, die stehen einem großen Konzern als Boss vor oder sie haben in der Politik viel zu sagen. Also, so wie die sich gerieren, muss man schon ein gewisses Quantum an Selbstbewusstsein aufbringen, um nicht in Trübsal zu verfallen ob seines eigenen Geringseins. Hier stellen wir aber die Frage, was denn diese Menschen befähigt, solche Positionen einzunehmen. Wir meinen richtig zu liegen, wenn wir den Begriff der "Persönlichkeit" einführen. Da wird auf den ersten Blick deutlich, dass eine Persönlichkeit eine Person ist. Sie und der Autor sind auch Person, aber sind wir auch eine Persönlichkeit? Muss man als Person erst eine solche werden? Sind Persönlichkeiten besondere Personen? 

  Wir wagen zu sagen, dass entgegen dem Sprachgebrauch jeder eine Persönlichkeit ist. Allerdings, das muss schon zugegeben werden, da gibt es unterschiedliche Zuschnitte, Grade, Intensitäten. Das zeigt die Lebenserfahrung. Gibt es also gar keinen Unterschied zwischen Person und Persönlichkeit? Doch, es gibt ihn. Person ist Subjekt. Persönlichkeit ein Objekt. Person ist man, weil man als Mensch existiert. Zur Persönlichkeit wird man in den Augen anderer. Wenn man beruflich vorankommen will, dann hilft einem das Personsein wenig, dagegen sehr, wenn schon, denn schon das Abbild seiner Persönlichkeit. Nach aller Erfahrung kommt es auf ihre Ausbildung an - und auf ihre Beziehungen. Und wenn das eine große Rolle spielt, dann müssen wir uns nähers mit ihr befassen.                                

  Wenn man so deutlich auf den Eindruck abhebt, den eine Person auf Andere macht, darf man nicht ausschließen, dass solcher auch negativ angehaucht sein kann. Aber dann wäre man nach allgemeiner Einschätzung keine Persönlichkeit, denn dieser Begriff ist nun mal positiv besetzt. Also muss, um die Persönlichkeit zu entwickeln, etwas Positives bewirkt werden. Was aber das Besondere daran ist: Persönlichkeitsentwicklung beginnt sehr früh, schon im Vorschulalter. Daher hängt die Frage, wie und wo man denn das Persönlichkeitwerden erlernen kann, nicht allein davon ab, ob es eine öffentliche Einrichtung gibt, die das lehrt und wo man hingehen könnte. Vielmehr landet man - mal wieder - im Elternhaus und bei frühen sozialen Kontakten. Es ist also wichtig, wie die Eltern Verhaltens- und Denkweisen, die geeignet sind, Persönlichkeitswerte zu begründen, täglich vorleben. Geschwister darf man nicht vergessen, aber auch nicht das soziale Umfeld der Eltern und schließlich die soziale Zusammensetzung der jugendlichen Spielgruppen, sei es auf der Straße, dem Spielplatz und Kinderhort, einiges später dann der Freundeskreis. Defizite, die hier entstehen, können im späteren Werdegang nur gezielt und mit einigem Aufwand ausgebügelt werden.

  Alsbald befasst sich mit dem Heranwachsenden ein riesiges Institutionsvolumen, um ihm Wissen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten nahe zu bringen, wenn nicht einzubleuen. Bitte mit e. Nur marginal, also nur am Rande stehend, sind dabei Lernziele vertreten, die auf die Persönlichkeitsbildung abstellen. Bildung ja, aber kein Ausbilden des Ichs, dabei ist es heutzutage möglich, Persönlichkeitswerte durchaus auszubilden und zu fördern. Natürlich verhält es sich nicht so, dass das Vermitteln von Bildung nicht auch Persönlichkeit fördernd ist. Wem gezeigt wurde, wie bestimmte Lebensaufgaben angegangen und gelöst werden, etwa eine Rechenaufgabe, der gelangt dadurch durchaus zu Verhaltenssicherheit. Aber bekannt sind auch diejenigen Situationen, wo selbst eine spezifische Begabung blockiert wird. Man denke an die Klassenarbeit in Mathematik, wo aller Geist plötzlich aus dem Kopf entwichen ist. Oder das entscheidende Vorstellungsgespräch verläuft schief, einfach deshalb, weil einen die Unsicherheit überwältigt.

  So können denn die Folgen verheerend sein, die in mangelnder Selbstsicherheit gründen: Im sportlichen Training Spitzenleistungen, beim Wettkampf völliges Versagen, Unbeschwertheit beim Spiel, bei Stress eine Leistung, die deutlich unter der eigentlich erreichbaren liegt. Daher von Anspornung keine Spur. Lern- und Leistungslust geraten zur Verunsicherung. Vertrauen zu sich selbst kommt abhanden, wenn überhaupt jemals erlebt und erfahren. Situations-stress kann fürchterliche Wirkung haben, wenn man Seines nicht Herr wird. Schon vor vielen Jahren hat der Autor ein Erlebnis niedergeschrieben, das ihn noch heute bedrückt, weil er immer noch nicht den Grund eines glücklicherweise folgenlosen Versagens sich selbst plausibel machen konnte, gerade weil nur eine winzige Reaktion zur Problemlösung geführt hätte. Also wiederholt Als Segler bei drohendem Gewittersturm an der Boje festgemacht. Hinterher geschlepptes Schlauchboot aufs Boot gezogen. Ein Sohn, der guter Schwimmer war, leider jung verstorben. Eine Bö befördert das Schlauchboot ins Wasser. Der Junge ohne Überlegung mit Kopfsprung hinterher, er näher sich dem Schlauchboot, greift danach. Der Wind jagt es wieder weg, immer weiter auf den See hinaus. Der Vater sieht seinen Sohn mit der Erschöpfung kämpfen. Er schreit, Thomas, lass es forttreiben. Nicht ein Quentchen (kein ä bitte) Gedanken an die Möglichkeit, das Vorsegel zu heißen und Sohn und Schlauchboot hinterherzu segeln. Der Thomas bekommt das Luftboot zu fassen, hatte aber keine Kraft mehr, sich hineinzuhieven. Ein vorbei kommendes Motorboot schleppt Schwimmer und Ding heran. Das war es. Und immert noch macht Stress das Blut heiß anstatt kalt. 

  So bringen einen denn fachliche Fähigkeiten oft weniger voran als bestimmte Persönlichkeitmerkmale, die zu Fragen provozieren etwa wie diese: Wie geht einer mit Misserfolgen um - spornen sie an zu einem Jetzt- erst-recht oder lähmen sie? Ist ein Mensch in der Lage, Ordnung in die Vielfalt seiner Wünsche und Begehrlichkeiten zu bringen, eine Rangordnung zu finden? Kann er in seinem Kopf realistische Ziele verankern? Behält der bei Stress einen klaren Kopf? Beeindruckt er mit Lockerheit und schnellguten Lösungen? 

  Was geschieht denn  eigentlich, wenn latent vorhandene Persönlichkeitsmerkmale blockiert werden? Das ist biologisch sehr simpel. Stresshormon Cortisol schaltet einfach Teile des Gehirns ab, legt z. B. den Hippocampus lahm. Das wärs. - Nein eben nicht. Denn man kann Stressbewältigungsmechanismen erlernen. Es geht darum, wer wen beherrscht, die Situation den Menschen oder dieser die Lage. Aber Vorsicht! Der Mensch wird laufend mit vielerlei Situationen konfrontiert. Es genügt nicht, im Schnellkurs eine Handvoll Strategien und Taktiken zu erlernen. Einfach ist es z. B. noch, wenn man einen Berufskollegen oder Chef für eine bestimmte Zielsetzung oder Lösungsmöglichkeit gewinnen möchte. Da kann man überlegen, ob mit dem Gesprächspartner erst mal ein gutes Einvernehmen her-gestellt werden soll, um ihn dann mit den Details bekannt zu machen und ihn zu umwerben oder ob man sich jeweils an den puren Verstand wendet. Schließlich ist nicht jeder Mensch emotional zugänglich. Wieder andere verschließen  sich noch so schlüssigen Argumenten, wenn die Chemie nicht stimmt. Wer nur sachlich kommuniziert, sollte lernen, Charme zu versprühen und wer meint, mit Umarmungen sei etwas zum Durchbruch zu verhelfen, vergisst, dass kritisch Eingestellte es sich zur Gewohnheit gemacht haben, die Dinge erst mal zu hinterfragen. Man sollte also flexibel bleiben, es vermeiden, bei unterschiedlichen Gegebenheiten immer die gleiche Vorgehensart einzusetzen. Andernfalls  vermögen die anderen schon im Vorhinein einzuschätzen, zu welchen Methoden wohl gegriffen, kurz, was einem begegnen wird. Umgekehrt liegt zweifelsohne ein positives Persönlichkeitsmerkmal vor, wenn es einer Person gelingt, Kommunikationsweisen zu durchschauen und, wenn denn opportun, kontern zu vermögen. Zu raten ist, regelmäßig Kontrollen einzulegen, sich des Standes einer Situationsentwicklung zu vergewisssern, allerdings ohne dem Zwang einer akuten Beurteilung zu verfallen.

  Nun kann man nicht aus seiner Haut schlüpfen. Der emotional Veranlagte braucht nun einmal mehr Harmonie, der Rationale ruht vielleicht eher in einer Selbstgewissheit, die er durch vielerlei Abwägen und Durchdenken untermauert. Solche Veranlagungen oder auch nur Vorlieben sollte man nicht bekämpfen. Man wird sich sonst selbst fremd, gelangt außerhalb des nach Optimierung verlangenden Ichs. Doch ist es falsch, der unkontrollierten Sucht zu verfallen, jeden Mitmenschen als Freund gewinnen  zu wollen, Claque wie Opium zu benötigen. Schließlich würde er sich verzehren und immerzu hinterfragen, warum Ablehnung beim Gegenüber? Hier ist zu lernen, autonom den richtigen Abstand auf-zufinden.

  Wer wissen will, welche Persönlichkeitsmerkmale er endlich in sich vereint, muss zuvörderst sein eigenes Ich zu analysieren versuchen. Ein Weg ist etwa, sich seiner Vorlieben und Abneigungen bewusst zu werden: aufschreiben! Die mutmaßlichen Gründe zu ermitteln versuchen. Das Ermitteln seiner Stärken und Schwächen (aller Art) führt ebenfalls ein Stück weiter. Darin verbergen sich nämlich die Quellen der Leistungsfähigkeit. Nicht umsonst spielen diese so genannten weichen Merkmale eines Stellenbewerbers eine zunehmende Rolle für die Einstellungschance. Freilich sind sie schwer fass- und messbar. Doch ist das Beurteilungspotential mittlerweile durch entsprechende Forschungen ausgebaut worden. Motivation, Selbststeuerung, Verantwortungsbereitschaft, Identifikationsfähigkeit, werden mit objektiven Methoden "gemessen", ob immer richtig, sei dahingestellt. Wichtig ist zu wissen, dass diese Merkmale thematisiert werden. Zumindest bei größeren  Unternehmen sind diese Methoden gang und gäbe, auch bei der Auswahl von einzustellenden Lehrlingen. 

  Damit man vor solchen Tests keine unangemesssene Angst zu haben braucht, wäre es gut, wenn in Entlassklassen solche Tests als Übung abgehalten werden könnten. Ob Hilfe von anderen oder Selbsthilfe, immer ist Wachheit beim Umgang mit anderen Menschen angebracht. Man kann das zum stillvergnügten Beobachten hochstilisieren. Jeder kann Dinge, die er bei Anderen als verabscheungswürdig empfindet, auf sich selbst projizieren. Wenn Anzeichen sichtbar werden, dass man selbst nicht optimal "ankommt", ganz cool eruieren, woran es wohl liegen mag. Und wer es schafft, sich in eine andere Person hinein zu versetzen, der darf versuchen oder üben, deren Positiva zu übernehmen.

Immer noch Hierarchien (2001)

  Schon immer gab es unter den Menschen, in der Gesellschaft ein Oben und Unten, aber auch ein Neben. Daran konnten auch hehre Sprüche, wie sie die französischen Revolutionäre Ende des 18. Jahrhunderts postulierten, nichts ändern. Schön hörte sich das an: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Davon hat sich immerhin Einiges verwirklicht, auch nur verbessert. Allerdings muss man davon absehen, die Welt nähers zu durchleuchten, denn es gibt noch genügend Ecken, wo modernes Verständnis über das Lebendige noch nicht angelangt oder wieder verschwunden ist.

  Am meisten bereitet Probleme, selbst in freiheitlich organisierten Staaten, die Gleichheit, denn Freiheit und Gleichheit schließen sich über weite Strecken aus. Da sie aber als unverzichtbare Errungenschaften etabliert sind, wird die Gleichheit verstanden als solche der Chancen. Bleibt ja auch nichts anderes übrig. Obwohl jedes Ich einmalig, unersetzlich und gleich viel "wert" ist, wird es unter sozialem Aspekt immer Unterschiede geben: Arm und reich seit eh und immer mehr. Der eine trägt Leid, der andere ist unbekümmert. Nicht nur Menschen sind gescheit und dumm, faul und fleißig, tüchtig und träge, krank und gesund.

  Sprechen wir vom Beruflichen. Was bedeutet hier "oben"? Mehr Glück, mehr Geld, keine Sorgen, weniger Arbeit? Doch jedermann weiß, dass es mehr Arbeit, Stress und Verantwortung bringen kann. Warum also streben so viele nach oben? Dafür gibt es ein ganzes Bündel von Gründen, die nicht nähers untersucht sein wollen. Tatsache aber ist, dass, je weiter nach oben man kommt, die Anforderungen, denen zu entsprechen ist, an Zahl und Schwere zunehmen. Traut man sich das zu, gelingt das auch, dann steigt auch das eigene Können. Und siehe da - unversehens empfindet der Erfolgreiche ein als angenehm erfahrenes Gefühl. Das Können verschafft Befriedigung.

  Es ist das selbe Gefühl, das den Jäger der Urzeit überkam, wenn er ein Wild erjagte. Er konnte sich und seine Sippe wieder eine Weile ernähren, er bewältigte eine Aufgabe und es machte ihm Spass. Er begegnete dem Gefühl der Genugtuung sich selbst gegenüber. Aber er gewann auch die Achtung der anderen, des "Nebens". Diejenigen, die weniger zu leisten vermochten, übertrugen ihm die Führung, die Leitung. Auch wenn er sie selbst ergriff, konnte er nur oben bleiben, wenn er tüchtiger war als die anderen. Zu allen Zeiten hat erfahrungsgemäß das Tüchtigsein auch ein Gschmäckle bekommen können, ja es geriet und gerät immer mal wieder zu etwas, das abzulehnen ist, denn es gebar Nachteile verschiedenster Art, bis zur Diktatur mit all ihren verabscheuungswürdigen Folgen. Sittlich und moralisch  gesehen, sollte ein Mehr an Leistungsvermögen auch die Sorge für die Anderen umschließen. Die Moderne deutete das dann so, dass die Proportionalität offensichtlich nicht mehr genüge. Ein Mehr vom Mehr musste es sein. So etablierte sich dann im Steuerrecht - zwangsweise nach alter Machtmanier - die Progression der Steuersätze.

 Im Großen und Ganzen gilt das Gesagte auch für denjenigen, der in leitender Stellung tätig ist, zumindest ähnlich. Er ist angesehen, verdient mehr, leitet, denkt für Andere, verantwortet, sorgt, wirkt als Motor. Vielfach verschafft das Freude an der Arbeit. - Das vorgetragene Mehr ist aber nur deshalb möglich, weil nicht jeder nach oben kommt. Das Unten wird bleiben. Das Oben und Unten ist aber relativ einzuordnen. In der Skala gibt es vielerlei Oben und viele Formen des Unten. Es kommt darauf an, was für einen Ausschnitt der Messlatte man betrachtet. Dieser Ausschnitt, seine Größe, sein Umfang, ist wichtig, denn er setzt das Maß des vernünftig Erreichbaren.

  Als Lehrling und als angehender Sachbearbeiter oder Geselle oder Facharbeiter, hoffentlich aber in jedem Falle schon Fachkraft, ist es nicht unbedingt notwendig, das Oben mit der Betriebsleitung zu identifizieren. Oben ist primär immer die nächste Sprosse der Messleiter. So zerlegt man die unsympathische Hierarchie gewissermaßen in Scheiben, was nicht daran hindert, gleich mehrere solcher Scheiben, als Paket gedacht, im Auge zu behalten. Solche Scheibenpäckchen ergeben nicht einfach einen Zylinder oder Stab, sondern einen Kegel, der bekanntlich oben spitz zuläuft. Das Neben ist nach wie vor mit dabei, das jedoch, je luftiger die Höhe wird, immer dünner und schmäler mitgeht. Das ist die Frucht der Auslese, welche prozesshaft verläuft. Denn, wie gesagt, es gibt immer weniger Führer als Geführte. 

   Wenn man die nächste Sprosse erstiegen hat, gilt es, die soeben glücklich verlassene Ebene nicht außer Acht zu lassen. Denn auch von hier aus bleiben die Wirkungslinien: Als Gruppenleiter etwa kommt es sehr wesentlich darauf an, dass die Mitarbeiter  mitarbeiten, wie es schon der Namen erheischt. Das tun sie nur, wenn sie richtig geführt werden, den Leiter als Vorbild anerkennen. So wird die eigene Leistung vervielfältigt und stellt sich nach oben entsprechend substanzhaltig dar.  

  Der Hierarchiekegel ist als gegeben anzusehen. Wenn das denn wahr ist. Denn kaum ein Wort wie das "Team" geistert seit Jahren durchs Berufsleben. Wir dürfen dazu Mannschaft sagen, um aber gleich verunsichert nachzufragen, ob man daneben die Frauschaft stellen muss, heutigen Tages. Was für eine Titulatur soll aber gewählt werden, wenn das Team gemischtgeschlechtlich auftritt? Ist eine solcherart beredete Schwierigkeit vielleicht der Grund dafür, dass es halt nur noch Teams gibt? Schlimm, wenn derlei Emanzipationstentakel dann in solche Terminisackgassen führt. - Wie dem auch sei, das Wort Team insinuiert (eigentlich gefühlsmäßig) eine Gleichgestelltheit aller Mitglieder. Nichts da von wegen Kegel im Kegel, zusammengesteckte Babuschen (Pantoffeln). Mißtrauen ist angebracht, denn unvermittelt taucht da ein Primus inter pares auf oder ein Chef ruft seine Grupppe zusammen und verlangt, dass sein Team ihm gefälligst effektivst zuarbeiten möge. Und wenn von niedrigen Hierarchien die Rede ist, so muss der Kegel halt stumpfer gedacht werden.

  Also, wenn schon immer Kegel, dann kann auch festgehalten werden, dass ein Aufstieg fast immer ein Leistungs-Mehr erheischt, wenn man von Protektion, Vitamin B oder Glückssituationen einmal absieht. Das Leistungs-Mehr beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit dem Vorgesetzten, mit den Menschen, die über den eigenen Aufstieg ent- oder mitentscheiden. Es wird immer gut sein, wenn der Vorgesetzte bzw. Teamchef einem tatsächlich "über" ist. Häufig liegt aber hier Einiges im Argen. Ein kluger Kopf hat herausgefunden, dass ein Mitarbeiter, der innerhalb der Hierarchie-scheibe K voll seinen Mann steht, weil sie ihm geradezu auf den Leib geschneidert ist, weil deren Anforderungen dem Leistungsvermögen unseres Mannes (unserer Frau) entsprechen, wird wegen seiner guten Leistungen noch eine weitere Stufe hinauf befördert. Jetzt aber ist sein Können und Vermögen den Anforderungen nicht mehr adäquat, er ist überfordert. Er wird unsicher, er schwimmt alsbald. Dieses Gesetz hat zur Folge, dass die Führungsscheibe häufig Ansatzpunkte für berechtigte Kritik bietet. Umgekehrt ist hier der Appell an sich selbst abzulesen, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Ein Hinterfragen sei aber erlaubt: Aus welch anderer Schicht als der zuvor erfolgreich absolvierten soll denn für die nächst höhere Führungsposition rekrutiert werden? Sonst kommt nur der Seiteneinstieg aus anderen Unternehmen in Frage, wo einer gleicherweise erreichten Scheibe ein höherer Stellenwert zuzubilligen ist. 

  Aufstiegswillen kann in Opportunismus ausarten. Man passt sich an, verrät seine eigenen Standpunkte. Diese aber müssen stichhaltig sein, sonst wird Beharren zum Rechthabertum. Nur Argumente die stechen, werden einen Vor-gesetzten überzeugen und ihn veranlassen, auf die eingebrachte Linie einzuschwenken. Es gibt genug Führer, die sich äußerst schwer damit tun, Meinung und Erkenntnis eines unterstellten Mitarbeiters nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu übernehmen und vor allem solch alles nicht als seine eigene Errungenschaft auszuweisen. Es bleibt: klug ist, der zunächst das Manko bei sich selbst sucht, wenn er andere nicht zu überzeugen vermag. Das gilt besonders für einen Verkäufer, der einen Kauf nicht zu initiieren vermag. Aber Selbstkasteiung ist dann fehl am Platze, wenn offensichtlich wird, dass der zu Überzeugende Gegengründe verschweigt, die nicht zu ergründen sind oder die ihn desavouierten.

  Ein Vorankommen erhält auch einen Beigeschmack, wenn es zu Lasten der Kollegen, mit Ellenbogen und durchsichtigen Tricks geschieht. Auch beim Kollegen ist der Wille voranzukommen, anzutreffen! Wohl dem, der erkennt, dass der Andere einfach mehr kann als man selbst, ein bestimmtes Problem besser überblickt. Das kann dazu animieren, zu überlegen, ob die eigenen Stärken vielleicht in anderer Richtung zu suchen sind, ob es nicht besser wäre, eine andere Stoßrichtung zu wählen. Möglicherweise kommt man so schneller zurecht, was nahe legt, überhaupt ein größeres Umfeld im Auge zu behalten, breitflächig abzuschätzen, wo sich Barrieren anstauen, Durchgänge auftun. Schön, wenn im Unternehmen das innerbetriebliche Bewerbungswesen transparent und funktional praktiziert wird.

  Man sieht, Wettbewerb überall. Wettbewerb belebt das Geschäft, sagt man allgemein. Die Richtigkeit dieser Aussage erkennt man meist erst auf den zweiten Blick und nach entsprechenden Erfahrungen. Die Angst, im Wettbewerb den Kürzeren zu ziehen, ist weit verbreitet. Das zeugt von nichts anderem als von Sich-nichts-Zutrauen. Anstrengungen werden von vorne herein erstickt. Die Erfahrung wird sein, dass man schnell mitbekommt, mit welchem Tempo das Hirn zu arbeiten beginnt, geht es denn um die Wurst oder Chance. Plötzlich eröffnen sich Ausblicke, die man zuvor beim täglichen Wursteln nicht nur nicht gesehen, sondern überhaupt nicht erahnt und für möglich gehalten hat. Der Groschen fällt halt nur bei Vorliegen bestimmter Bedingungen. 

  Und wenn sich eine Aufstiegschance in Luft auflöst? Dann gilt es, ihr nicht nachzuheulen. Was nicht ist, soll vergessen sein. Anderes kann werden. Vor lauter schnellem Vergessen sollte man aber nicht versäumen, die Gründe zu eruieren, weshalb etwas schief lief. Nur so kann die Grundlage für besseres Gelingen gelegt werden. Man suche nicht vorschnell die Schuld bei anderen. Ein Wunder: Oft ist man hinterher froh, dass etwas anders lief als heiß erwünscht! - Der Autor, der solches natürlich auch erlebte, kam dann ins Grübeln. Zufall? Schicksal? Vielleicht gar das Mitmischen einer himm-lischen Macht, eines wohlwollenden Heiligen? Das ist persönliche Ansichtssache.  

  Oft, wenn etwas schief ging in Sachen Vorankommen, wird möglicherweise allzu schnell die Flinte ins Korn geworfen oder man möchte am liebsten abhauen, anderswohin, wo es besser ist, wo man die nächste Stufe gar beim Wechsel gleich zum Einstieg erreicht. Diese Methode wird viel praktiziert, weil öfters erfolgreich. Im neuen Betrieb muss aber das Oben und das Neben und das Unten in ihren spezifischen Facetten erst mal ersehen, berochen werden. Denn auch dort, wo man schließlich landet, gibt es die Hierarchien, die Schichtungen, den Wettbewerb um Positionen. Und immer auch Negativa, nicht die gleichen, aber andere

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Was einzubringen ist (2000)

  Wenn Sie sich jetzt daran machen, einen für Sie interessanten Ausbildungsplatz zu erringen, dann gehören Sie zu denjenigen, die im nächsten Jahr aller Voraussicht nach der Schule den Rücken kehren werden - meist für immer. Es gibt aber auch welche, die schon heute wissen, dass sie nochmals einen schulischen Weiterbildungsanlauf nehmen werden. Wie dem auch sei: den Wechsel von der Schule in die raue Berufspraxis erlebt man in aller Regel als Lebens-einschnitt, als Zäsur, wie man so sagt. Vieles beim Aneignen von neuem Wissen, weiterer Fähig- und Fertigkeiten läuft anders, ungewohnt, wenn nicht gar unerwartet, letzteres zumindest dann, wenn sich vorher, bei der Berufswahl Versäumnisse zeigen, etwa, wenn man sich mit dem angestrebten Beruf völlig ungenügend auseinander gesetzt hat. Auseinandersetzen bedeutet, die Berufsanforderungen zu kennen, sich über seine eigenen Neigungen und Qualitäten im Klaren zu sein und die beiden Seiten realistisch miteinander zu konfrontieren. Mag ich das, kann ich das? - Die Sentenz kann auf zweierlei Art gelesen werden, fragend und feststellend. Letzteres mag beim Sport gewisse Aussichten begründen, bei der Berufswahl ist das Risiko groß, in einer Sackgasse zu landen. Nur zu mögen, genügt nicht.

  So ist denn die wichtigste Weiche im Leben die Berufswahl. Leider spielen dabei auch heute noch Zufälligkeiten eine große Rolle. Es ist wohl wahr: in jungen Jahren ist man noch weniger urteilsfähig als sogar in späteren und auch die Eltern vermögen die Situation nicht immer sachgerecht zu überblicken und zu ermessen, vollends, wenn berücksichtigt wird, wie wenig die Älteren doch von neuen Berufsbildern und deren Anforderungen gemeinhin eine Ahnung  haben. Berufsberatung ist wichtig, jedoch nicht etwa in der Form, dass, wie bezeugt geschehen, versucht wird, dem Sohn eines Fleischers auf Grund seiner guten Schulzeugnisse diesen Beruf und damit die betriebliche Nachfolge auszureden. Es ist von großem Vorteil, wenn sich schon in früher Jugend Neigungen und Interessen herausschälen und diese gar mit Blick auf die spätere Berufswahl mit leichter Hand vom Elternhaus gefördert werden.

  Sie haben sich für einen Beruf entschieden? Ja? Dann fassen Sie bitte mit gleichem Ernst noch einige weitere ins Auge. Es ist nämlich nicht gesagt, dass Sie bei Ihrer Primärwahl zum Zuge kommen. Das meint nicht, dass Sie Ihr Ziel nicht nachhaltig verfolgen sollen. Etliche Absagen sind noch lange nicht ein gebrochener Stab, das Aus für Ihre Wün sche. Schon früher, an anderer Stelle haben wir darauf hingewiesen, dass jeder Ausbildungsplatzanbieter andere Vorstellungen von einem geeigneten Bewerber hat und dass das Bewerbungsaufkommen jeweils stark voneinander abweicht. Allzu Viele meinen etwa, dass der Betrieb X am Platze der Traumbetrieb sei, im weiteren Industriegebiet sich aber hochfeine High-Tec angesiedelt hat, von deren Aufscheinen man gar nichts mitbekam.

  Bei der anzutretenden Lehre bewegen Sie sich im Vorfeld des ausgewählten Berufes. Ist es abgeschritten, kommt das berufliche Hauptfeld. Dann wird zum Teil, schon ganz ordentlich verdient, gelingt es denn, den Übergang zu schaffen. Dann werden Sie gefordert werden - in Bezug auf Ihr Können, Ihre Fähigkeiten, Ihr Wissen und vor allem Ihre Belastbarkeit. Sie werden sich "rentieren" müssen, weil Sie Kosten verursachen, die durch Ihre Leistungen abzudecken sind. Wenn nicht, wären Sie untauglich. Ein vernichtender Befund.

  Weil dem später so ist, absolviert man die Lehre nicht einfach deshalb, weil der Lehrherr verpflichtet ist, Berufswissen  und -können zu vermitteln. Auf dem falschen Dampfer hat angeheuert, wer etwa meint: Der ist schuld, wenn den Lehreanforderungen nicht entsprochen werden kann. Schließlich hat er mich eingestellt; er weiß um meine mitgebrachte Qualifikation, meine Schwierigkeiten im Rechnen, in Deutsch. Mein nachlässiges Auftreten, mein ungeschliffener Benimm kann ja nicht so sehr den Ausschlag geben, wenn ich zu wenig an Lehrzuwendung abbekomme. Immerzu muss ich mich in eine lästige Disziplin einordnen, pünktlich, bei der Sache sein, mich anstrengen, mich ab-plagen, fremdbestimmt handeln. Meine Sehnsüchte, mein Befinden, werden gering geachtet. Es ist ja so schwierig, bei der Arbeit und beim Lernen immerfort aufzupassen, mit den Sinnen dabei zu sein, sich zu konzentrieren! Ach, wäre ich doch reich und Privatier.

  Sie denken, was will denn dieser Autor? Wenn Sie guten Gewissens das denken können, dann ist es Grund zur Freude. Denn nicht gar zu selten treffen die angeführten Befunde ins Schwarze. Daher: wenn die Schule noch locker ertragen wurde, dann ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, da in sich gegangen, da eine Ist-Aufnahme über die eigene Lern- und Weiterbildungsbereitschaft anhängig wird. Eine solche grundsätzliche und ernsthafte Bereitschaft bringt eine ungemeine Erleichterung ins angehende Berufsleben. Wenn es mittlerweile nicht so abgedroschen wäre, dann möchte man hier den berühmt-berüchtigten "Ruck" eines früheren Bundespräsidenten heranziehen. Ein solcher Ruck ist nämlich schwer zu veranstalten. Es muss ein wirklicher Ruck sein, nicht bloß ein beabsichtigter. Da der Autor übergewichtig ist, scheut er sich nicht, den Ruck etwa mit einem Entschluss gleich zu setzen, die Zufuhr von Kalorien drastisch oder wenigstens deutlich zu reduzieren, um alles beim Alten zu belassen. Wir meinen aber, dass selbst ein solcher Ruck - nun wird er nicht mehr erwähnt werden - ins Leere läuft, wenn nicht hernach Einiges beherzigt wird, denn was dann ansteht, ist Belastendes, ohne Werkzeug nicht zu bewältigen.

  Zunächst ist nachhaltiges Lernbewusstsein gefordert. Es muss deshalb dauernd gegenwärtig sein, weil zum Lernen stets Gelegenheit ist. Wenn das Lernen nicht gerade das Aufnehmen und Verarbeiten von Lehrvorgängen , Lehrhandreichungen, -handhabungen ist, dann kann man neugierig sein, mit Augen, Ohren, Mund. Dann kann man noch Unverstandenes repetieren, zerlegen, sich so oder anders zurecht denken, Wichtiges sich noch besser einprägen und was der Möglichkeiten sonst noch sind. Ganz wichtig ist, dass man wenigstens merkt, hier und dort ist etwas, was ich ja noch gar nicht weiß. Man begegnet dem Wort "Genom", kennt das nicht und denkt - das Rezept einer klugen Frau - "was ist denn das wieder für eine Sauerei?" - schlägt nach oder erfrägt selbstbewusst ohne Verzug die Bedeutung - oder googelt.

  Wer das zum Beispiel tut, frönt schon einer gewissen Lernsystematik, - weil ja Methode darin steckt. Systematik schließt Beliebiges aus. Solches meint immer Anhäufung von Unsortiertem, Aneinanderreihen von Ungleichem, damit Unpassendem. Systematik will dagegen Ordnen, Überblick bekommen. Immer muss es Ihnen gelingen, eine Einzelheit in einen größeren Zusammenhang zu bringen. - Beim Lernen sind auch Schwerpunkte zu setzen. Interessen und berufliches Pensum sind gesund auszubalancieren. Lesen Sie viel. Das geht nicht ohne gekonnte Leseauswahl. Damit Sie nicht vorzeitig die Lust an all dem verlieren, sollten Sie der eigenen Trägheit entgegenkommen, denn sie ist ein nicht zu unterschätzender Feind allen Lernens. Lernen Sie daher einmal im Vorbeigehen, wie schon gesagt. Was man so leicht mitbekommt, schafft Raum für anderes, Weiteres. 

  Zum anderen lernen Sie, wenn wir jetzt an das Lernen im engeren Sinne denken wollen - zunächst in kleinen Portionen, jedoch nachhaltig, jeden Tag. Das ist die Klein-Schritt-Methode. Wenn Sie es nicht fertig bringen, jeden Tag eine halbe Stunde konzentriert zu lernen, was auch immer, dann sehe ich für Sie schwarz. Warum? Weil, wenn Sie denn glauben, dass Sie zumindest das Basiswissen, das Ihr Beruf verlangt, sich nunmehr angeeignet haben, flugs ein erschreckend großer Anteil zu Müll wird, wegen des verfluchten Fortschritts, der einen ja nicht zur Ruhe kommen lässt. Aber das Unvermögen, sein Pensum zu bewältigen, ist verräterisch in anderem Hinblick: Es wird offenbar, dass man nicht fähig ist, dasjenige Quantum Energie und Initiative zu entwickeln, zu mobilisieren, bereit zu stellen, ohne welches man im Hauptfeld des Berufes, was für einer auch immer, nicht bestehen kann.

  Etwas mehr als 10 Minuten! Bitte! Das schafft auch der Träge und Oberfaule! Mit der Zeit schafft man eine halbe Stunde. Das durchgehalten über die ganze Lehre hinweg ergibt ein erstaunlich dickes Stück. Was aber am wichtigsten ist, das ist die methodische Gewöhnung. So sind wir denn bei der Lerntechnik. Benützen Sie beim Lernen ein Kolleg-heft, ein Notizheft. In dieses schreiben Sie nach und nach die wichtigsten Merksätze. Am anderen Tag überfliegen Sie diese Merksätze oder -worte nocheinmal, nicht noch einmal, sondern nocheinmal, wiederum. So wiederholen, repetieren Sie.

  In der Artikelüberschrift sprechen wir von "Einbringen". Einbringen-können hat eine Vorleistung zur Voraussetzung, eine Leistung, die man sich selbst erbringt, so, dass das persönliche Potenzial einen Zuwachs erfährt. Selbstverständlich gehört dazu auch das mitgebrachte Wissen, das man sich in der Schule angeeignet hat. Wenn Sie noch ein knappes Lernjahr vor sich haben, empfiehlt es sich, wenn schon Unschönes im Jahreszeugnis zu entdecken ist, dieses nicht zu übergehen, nicht einfach so stehen zu lassen, vielmehr es mutig auf die Hörner zu nehmen und zuzusichern, dass man gewillt ist, die Scharte noch kräftig zu wetzen, wenn schon das Auswetzen nicht mehr versprechbar ist. Das nimmt man Ihnen viel öfter ab, als es für möglich gehalten wird. Das wird so gedeutet, dass Sie gemerkt haben, auf was es ankommt, dass Sie Unvollkommenes nicht einfach hinnehmen wollen, vielmehr Energie und Willen zu mobilisieren beabsichtigen, diesen beiden auch eine Zielrichtung zu geben.

  Ein Letztes, ungewöhnlich, doch u. U. gar nicht so dumm. Wer seinen Lehrvertrag in der Tasche hat, der ist so gut wie angestellt. Er ist Mitarbeiter in spe. Als Schüler/in haben Sie doch hin und wieder Ferien? Fragen Sie doch Ihren Lehrbetrieb, Ihren zukünftigen Ausbilder, ob es denn nicht genehm wäre, wenn Sie hin und wieder mal vorbeischauen - nicht: vorbei schauen. Man könnte mit den schon eingesessenen Lehrlingen reden, Maschinen angucken, sich Gesichter der zukünftigen Kollegen einprägen, diesen geschwind einen Gefallen tun und was da noch der Ideen wert wäre. Der Start in das Berufsleben wird so zum gleitenden Übergang. Keine Bange!

Aufstiegsplanung

  Meint Aufstieg Karriere? Nein, denn eine solche ist zunächst nur "Laufbahn". Die kann eine Berg- und Talbahn sein. Aber es ist so eine Sache mit der Sprache. Wohl jeder verbindet mit Karriere eine erfolgreiche Laufbahn. Der hat "Karriere gemacht", heißt es unisono und es sieht so aus, als ob sie tatsächlich gemacht worden sei, so als müsse man sie nur machen. Solches hat aber schon mancher versucht und kam nicht so recht voran. Dem Zwielicht, das hier gestreut wird, eignet Absicht.

  Vorankommen. Aufstieg. Was meint Vorankommen? Die Bewegung von einem Punkt zu einem anderen? Auf ebener Straße oder ansteigender? Ein Urteil darüber verlangt Bewertung. Ohne Bewertung handelt es sich beim Vorankommen um einfaches Geschehen. Damit solches bedeutsam wird, bedarf es einer Absicht und diese gründet in etwas, in einem Verlangen etwa, in einer Notwendigkeit, in einem Befehl. Vorankommen als bedeutsames Geschehen ist weiters ein orientiertes, ausgerichtetes. Als Markierung fungiert das Ziel. Das Erreichen eines Zieles, denken wir etwa an die Tour de France, ist eine gute Sache an sich. Schließlich kommt man an einem bestimmten, vorgegebenen (von wem auch immer) Punkte an. Nun kann weiters insistiert werden: Wie kommt man an, als was, was jetzt, was weiters? Soll das Ankommen eine Zustandsverbesserung bewirken?

  Beruflich gesehen sollte letzteres geschehen, will man das Wort "Aufstieg" benutzen können. Nun kommt aber ein interessantes Bild ins Spiel. Es geht nicht mehr um das Vorrücken von einem Punkt zu einem anderen in der Ebene, sondern in der Schräge, sei es in Stufen oder stufenlos und aufwärts gerichtet. Die Richtung nach oben muss nicht gleichförmig eingehalten werden: die Winkel können schwanken, ja, wenn man an die Ersteigung eines Berges denkt, dann geht es je nach Topografie halt auch mal abwärts zwischendurch, ohne dass dadurch der Gipfel unerreichbar würde.

  Hilfreich soll uns bei unseren Überlegungen werden, wenn wir uns in die Rolle eines Skifahrers versetzen. Will er ein neues Skigebiet kennen lernen, dann muss er zuallererst sich darüber schlüssig werden, welches Areal er denn frisch angehen will. Das ist gewissermaßen das Großziel. Wo will er sich tummeln. Dann, vor Ort, macht er sich kundig, ob sich das Gebiet einheitlich darbietet oder ob diverse Zonen angegangen werden können. Schließlich kann er zu Fuß aufsteigen oder eine Aufstiegshilfe in Anspruch nehmen. Bei mehreren Ausgangsmöglichkeiten wird der Skifahrer sich für einen Ausgangsstandort oder -punkt entscheiden, immer unter Abschätzung der Günstigkeiten. Das Erreichen-wollen eines bestimmten Punktes oben am Berg ist aber nicht der eigentliche Zweck der Veranstaltung, vielmehr wird die Qualität der Abfahrt in Augenschein genommen, weil sie ja das ist, was angestrebt wird. Das Angestrebte kann schwarz, rot oder blau - schwierig, leichter und ganz leicht zu bewältigen sein. Das bringt sein Können mit ins Spiel. Immerhin, von da oben aus hat unser Skifahrer die Wahl zwischen den verschiedenen Abfahrten; er wird möglicherweise alle testen, schließlich aber die eine oder andere ausscheiden, andere immer wieder wechselweise angehen.

  Das Ganze geschieht also nicht planlos. Am Anfang steht das Sich-klar-werden über das Wollen. Dann folgt die Erkundung der antreffbaren Gegebenheiten, es mündet ein in die Zielsetzung. Ist das geschehen, dann geht's ans Werk, zielgerichtet. - Das alles kann in eigener Regie und mit eigenem Antrieb angegangen werden. Viele aber schließen sich den vorbereiteten Aktivitäten eines Skiclubs an und harren der Dinge die kommen sollen. Andere bestimmen, andere sagen, wo es lang geht, andere ziehen den Mann oder die Frau mit. 

  Was ist zu erkennen: Ohne Ziel irrt ein Aufstiegswilliger planlos umher. Ohne Ziel lassen sich Wollen und Fähigkeiten auch nicht bündeln. Daher wird es an der Stoß- und Durchschlagskraft fehlen. Wenn schon die Zielsetzung so entscheidend wichtig ist, muss sie sorgfältig abgesteckt werden. Dazu ist erforderlich, die eigenen Schwächen und Mängel zu erkennen. Mängel lassen sich beheben, Schwächen abschwächen. Das geschieht durch Arbeiten an sich selbst. Dabei ist man fähig, seine eigenen Grenzen zu ertasten, aufzuspüren. Tödlich wirkt es, wenn man Unlustgefühlen anhängt. Als nachhaltigster Stimulus entfaltet das Gefordert-sein ungeahnte Kräfte des Ichs. Wer, was fordert? Der Einzelkämpfer mobilisiert seinen Willen aus sich heraus. Der Gruppen- oder Teamkämpfer wird mit-gerissen. Wer Sport betreibt, welcher Art auch immer, der erlebt dies alles sehr praktisch. Er merkt dabei, dass Vieles schlicht erlernbar ist und einmal Beherrschtes wird zum Instrumentarium, zur Technik für zunehmende Anforderungen - man halte sich nur vor Augen das Höherlegen der Latte beim Hochsprung.

  Es wurde dargelegt, dass das Erreichen eines Zieles das Abschreiten eines Weges verlangt. Der Weg zum Ziel entscheidet über den Erfolg. Die Bewältigung des Weges verlangt Planung und Einsatz von Mitteln und Maßnahmen. So, wie an jeder Landstraße am Rand die Kilometersteine stehen, so muss auch der Berufsweg markiert werden. Solche Markierungen sind nichts anderes als Teilziele: Das Endziel wird in Etappen erreicht.

  Man beschreitet den Weg zum Ziel entlang der Zeit. Die Wegplanung ist zugleich Zeitplanung. Die Teilwege sind möglichst in einer vorfixierten Zeitspanne abzuschreiten; nur so erreicht man den Zielpunkt zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es spielt eine große Rolle, ob man früher oder später am Ziel ankommt. Oft sind die Wegphasen zeitlich begrenzt. Es ist schlicht nicht optimal gelaufen, wenn der Abschluss einer Bildungsphase erst im dritten Lebensjahrzehnt geschieht.

  Jedes Teilziel, jede Wegmarkierung ist dazu bestimmt, Halt zu machen, sich zu besinnen. Man durchschreitet im Geiste nochmals den gegangenen Weg und achtet auf bzw. verdeutlicht sich Fehler, die einem unterliefen. Sie dürfen sich nicht wiederholen - Erfahrungen sollen ja wirksam werden. Die neu anzugehende Wegstrecke wird wieder ihre eigene Tücken haben. 

  Der Rückblick hat auch zu prüfen, welche nicht erwarteten Geschehnisse und Gegebenheiten, die das Umfeld an uns herantrug, uns zu Umwegen und Umdispositionen zwangen. Möglicherweise bedingen sie eine neue Konzeption der Aufstiegsplanung, eine mehr oder weniger gravierende Umorientierung für die nächsten Lebensabschnitte. Man merke sich: Abweichungen vom Weg bedeuten nicht, dass die Vorschau ungenügend konzipiert war. Bessere Einsichten bringen schließlich bessere Aussichten.

Beim Planen der Mittel und Maßnahmen ist auch stets daran zu denken, dass Erfolge selten im ersten Anlauf "erzielt" werden. Mit Fehlschlägen ist zu rechnen, mit Mehrarbeit, Wiederholungen, ja mit partieller Erfolglosigkeit. Wenn man merkt, dass es so, wie man es sich dachte nicht geht, dann sollte man sich nicht in ein Vorhaben verbeißen. Dieser Rat will aber vermeiden, dass die Flinte vorschnell ins Korn geworfen wird. Man schaue nach rechts und links, nach vorne und hinten um mitzubekommen, was denn anderweitig so passiert. Da ist jemand neben Ihnen, dem trauten Sie eigentlich auch nicht mehr zu als sich selbst. Hat es dieser geschafft, was soll davon abhalten, gleichzuziehen? Andererseits, wenn der Vormann an einer Aufgabe scheiterte, dann wird für einen selbst das Warum interessant und wichtig. Wer einen Fehler vermeiden kann, über den ein anderer stolperte, der gewinnt einen Vorsprung. Ihm wächst eine weitere Chance zu. - Aber ein selbstkritischer Aspekt: Wer merkt, dass er überfordert ist, der sollte weitere Aufstiegsbemühungen bleiben lassen. Nicht umsonst spricht man von einem fatalen Gesetz, das zur Folge hat, dass zu viele Positionen mit Überforderten besetzt sind, weil sie zwar in der Stufe darunter hervorragend agierten, nun aber eben nicht mehr.

  Nochmals einen Blick auf den Sport, auf den Leistungssport. Z. B. bei der Fußballmeisterschaft wird ein weiteres Moment deutlich. Es geht zum einen um die richtige Ernährung, will sagen um die Zufuhr von Energie. Wenn man das Selbst sich als einen Ofen vorstellt, etwas komisch anzuhören, dann geht dieser unweigerlich aus, wenn kein Brennstoff nachgelegt wird. Also wird ersichtlich: Keine Leistung ohne Energiezufuhr. Lustlosigkeit erwächst aus der Tristess, der Gleichförmigkeit, Freudlosigkeit, aus dem Fehlen von Ausblicken, Perspektiven. Wer Hobbys aus seinem Leben verbannt, keine Zeit für solche reserviert, wer Feste und fröhliche Treffs meidet, der brennt aus, der kann keine Energie mehr wecken, generieren. Wichtig ist auch, Wohlwollen auszustrahlen. Wer sich dies zur Pflicht macht, der produziert entsprechendes Echo. Positive Signale erreichen einen selbst und spornen an.

  Zum anderen wird auch beim Training und bei den Wettkämpfen deutlich, dass Energieschöpfen die Pause verlangt. Das ist weit zu begreifen. Verschnaufen, geruhsame Mahlzeiten, Schwatzen, Urlaub, Nichtstun, locker Jungens und Jungdamen beäugen, Musik pflegen, etc. etc., das verschafft Feiraum, weite Horizonte. Nicht unbedingt günstig ist, wenn man sich in unglücklicher Liebe verzehrt, vom Elternhaus wenig Verständnis und Unterstützung erfährt.

  Als Letztes: Über die Wegstrecke, die noch zu bewältigen ist, sollte man so wenig wie möglich reden. Das, was man sich vorgenommen hat, muss man tun. Ausnahmen bringen dann Vorteile, wenn man sich von erfahrenen Leuten Rat einholen will. Alsdann: Packt's an!

Thema Schule

 

 Wirtschaft lehren? (2002)

  Die Diskussion über ein solches Anliegen glimmt und schwelt. Immer mal wieder steigt Rauch auf, wird verweht. Wo Rauch ist, da ist Freuer - bleiben wir lieber beim Glimmen.

  Es ist viele Jahrzehnte her, da gab es in unserem Lande schon Überlegungen, die sich mit Wirtschaft als Lehrstoff befassten. Da entstanden ganz zögernd so genannte Wirtschaftsoberschulen, zunächst in Freiburg dann in Stuttgart droben am Feuersee. Warum weiß der Autor von diesem Detail? Nun, weil er diese Schule drei Jahre lang besuchte und sie mit dem sogenannten Wirtschaftsabitur verließ. Das hat keine große Bedeutung, erklärt aber, weshalb unsererseits immer volle Aufmerksamkeit herrscht, wenn etwas über das Thema zu lesen ist. Die Zeiten schritten fort, aus den Wirtschaftsoberschulen wurden die Wirtschaftsgymnasien, die sich ja dann mehrten und Flächen deckend durchsetzten. Auch auf dem Hochschul- und Fachhochschulsektor reüssierte Ökonomie im Lehren: Zunächst Handels-hochschulen, dann Fakultät an Universität und schließlich Fachhochschulen mit Spezifizierung auf Wirtschaft. Und die Abschlüsse kleiden sich in Diplom- und Bachelorvarianten, dass der Wirrwarr (lt. Duden maskulin) perfekt ist.

Nun aber Wirtschaft als Lehrfach in den Schulen generell? Man sagt, die Menschen seien heutzutage so sehr mit wirtschaftlichen Fragen und Problemlagen konfrontiert, solchen auch einigermaßen hilflos ausgeliefert, dass sich die Frage nach der Dringlichkeit erübrige. Andere meinen, Ökonomie sei kein klasssischer Bildungsauftrag und folglich speziellen Fortbildungssparten zu überlassen. Nun, man könnte sich nach Parallelgegebenheiten umsehen, etwa die Politik benennen, denn wer wollte bestreiten, dass politische Problemsituationen und Lösungspostulate die Menschen mittlerweile nicht genau so intensiv tangieren wie Ökonomie. Auch Lehrstoff? In welchem Ausmaß? Schon an Schulen präsent? Gemeinschaftskunde! - wie immer dort die lehrstofflichen Abgrenzungen gefunden wurden. Weitere Bereiche? Gesundheit? Präsent? Etwa mit Sport? Mindestens ein wenig. Überhaupt, wenn man den Begriff Unter-richtsfach mit dem der Lebensbereiche der Menschen unterlegt, dann ist in die Schule außer Lesen, Schreiben und Rechnen doch Einiges, was Menschsein und Leben angeht, eingezogen. 

  Geologie - unsere schöne Kugel; Biologie - das Sprießen, Wachsen und Fortpflanzen von Fauna und Flora; Sport - unser Leib; Musik, Religion, Psychologie, Philosophie - unsere Psyche und unser Sein; Physik - Natur als Phänomen, die Aufzählung sei hier abgebrochen.

  Nun ist die Wirtschaft aber ein Gebiet, in das man zwar en passant gute Stücke weit eindringen kann, meist aber um den Preis der Oberflächlichkeit. Das Wissen ist so nicht von der Art, als dass ein Gesetzgebungsverfahren kritisch und vor allem von einem tragfähigen Fundament aus verfolgt werden könnte. Wer ehrlichen Herzens verzweifelt ob der harrenden Arbeitslosenschaaren (immer noch drückend), des ungleich verteilten Wohlstandes in der Welt, der dürftigen politischen Stabilitäten überall, der Währungsrisiken, die die Systeme abzuwürgen in der Lage sind, der sollte ehrlicherweise sein eigenes Urteil genau darüber prüfen, ob seine ökonomischen Kenntnisse ausreichen, um nicht offensichtlich falsch zu liegen. Offensichtlich, denn es gibt genug Spielraum für Falschinterpretationen der Lage und Dinge auch seitens der echten und angeblichen Fachleute. 

  Aber es geht ja gar nicht nur um diese global bedeutsamen Fragen. Viel gravierender wirken sich für den Einzelnen aus die Erscheinungen der profan erlebbaren Ökonomie, ihrer Zwänge und ihrem Ausgesetztsein, deren Folgen  immer wieder bis zum Unbehagen, ja Schock, gereichen. Von nötigen Qualifikationen für das berufliche Vorankommen sei dabei gar kein Aufhebens gemacht. Auch wird unser heutiges Zusammenleben bestimmt und gesteuert von demokratischen Regeln und Lösungen, die so sehr von ökonomischen Abläufen geformt sind, dass gar die verbreitete oder nicht antreffbare Akzeptanz des Prinzips der Demokratie in den Köpfen der Menschen langfristig die Form der Wirtschaftsstruktur  zu hinterfragen vermag. Mittlerweile ist uns allen aufgegangen, dass Funktionieren oder Nichtfunktionieren der - ja weltweiten - Wirtschaft über Wohlergehen oder Darben von Milliarden Menschen entscheidet. Und nun stellen wir dieser Wahrheit gegenüber das Maß an Relevanz von Kennen oder Nichtwissen des Namenes eines Grases, des Ablaufes einer chemischen Reaktion und der vielen Details, Phänomene und Zusammenhänge der Fächer, die ohne Abstriche und ohne Infragestellung seit Jahrhunderten gelehrt werden.

  Das war schon ein Stück weit Plädoyer. Untermauert wird es, wenn daran erinnert wird, dass Ignoranzen, Ideologi-sierungen, Interessenfixierungen ganze ökonomische Systeme aus den Angeln zu heben vermögen. Unverstand ist oft Grundlage der Zerstörung von Milliarden an Vermögenswerten oder wirtschaftlichen Potentialen. Und nun dessen Ansiedlung in Gremien und Köpfen, die die Richtung weisen wollen - zu Gunsten von Eigeninteressen oder zum Wohl der Gemeinschaft?

  Es wird schon viel getan in den Schulen. Doch wenn ernsthaft ein Lehrfach "Wirtschaft" etabliert wird, dann wollen gleich viele Fragen beantwortet werden. Darf es zu Lasten der übrigen Fächer eingeführt, soll der Stoff systematisch und umfänglich gelehrt werden, muss man sich mit der Abhandlung von ökonomischen "Primitiverlebnissen" begnügen, ist Gewicht zu legen auf Ausstrahlungen auf andere und Zusammenhänge mit anderen Wissensbereichen? Was ist überhaupt "Standard" beim ökonomischen Wissen? Haben doch Gewerkschaften ein anderes Urteil  über richtige Wirtschaftspolitik als die Arbeitgeber, Politiker sehen die Zusammenhänge zwischen öffentlicher Finanzwissenschaft und dem Wirtschaftssubjekt Konsument und Produktionsort je nach politischer Farbe häufig ganz unter-schiedlich und was man als gute Ratschläge für die europäische Geldpolitik von sich gibt, spricht Bände der Voreingenommenheiten und Irrationalitäten.

  Glaubt da jemand, dass die Lehrenden in den Schulen die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, etwas von ihrem wirtschaftlich motivierten Glauben richtiger Situationseinschätzung und nötig seiender Steuerungsregeln mit einfließen zu lassen? Meint jemand, dass bei Regierungswechsel man nicht die Gelegenheit sieht, mittels der Curricula über "richtige" ökonomische Ansichten Einfluss auf die Gehirne und Denkweisen der Schüler ausüben zu können? Könnte es so sein, dass in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu Baden-Württemberg die Ökonomie etwas anders gelehrt wird als bei uns? Wie wird versucht werden, in 15 Jahren Wahlen zu gewinnen, wenn nur die nachwachsenden Menschen zwar hauchzart, aber immerhin Richtung weisend für entsprechende Ergebnisse aufgeschlossen gemacht werden?  Zwar sind diese Lehrgefahren auch an den Hochschulen gegeben, - eigenes Erleben bei Widerspruch gegen professorale Lehrmeinung gebiert heute noch Zorn - doch ist nun mal bei normalem Studienablauf Gewähr gegeben, dass der Student einmal die verschiedensten Lehrmeinungen und deren wissenschaftlichem Aufarbeiten kennen lernt, so dass - hoffentlich - eine eigene Meinung begründbar zum Tragen kommt. Doch wird bei den Möglichkeiten, die Schulen offen stehen, zu lehrendes Für und Wider nur begrenzt zum Zuge kommen können, ganz abgesehen davon, dass "Stofftiefe" eben auch nur seicht sein kann. 

  Wenn nun erfreulicherweise bei den zu vermittelnden Inhalten doch zufrieden stellend Objektivität erlangt werden könnte, dann ist zu fragen, ab welcher Stofftiefe Schüler in die Lage versetzt werden, ökonomische Richtsetzungen mit fundierter Urteilstiefe begleiten zu können. Oder meint jemand, der Grund zur Installierung eines Faches Wirtschaft sei darin zu finden, die Schüler davor zu bewahren, dass sie im normalen Leben nicht nur im nächstbesten Laden einkaufen, sondern eben im preisgünstigsten, dass sie den Unterschied zwischen Bedarf und Bedürfnis erlernen, unsretwegen noch umfassend in das Vokabular der Wirtschaft eingeführt werden?

  Wenn der Autor bei der Gestaltung des Vorhabens mitzureden hätte, dann würde er empfehlen, von einer systematisch geordneten Stoffvermittlung abzusehen, vielmehr Ökonomie zu lehren anhand ganz alltäglicher Akte und weiters mittels Analyse und kritischer Aufarbeitung ebenfalls täglich zu registrierender ökonomierelevanter  Vorkommnisse in Staat und Gesellschaft.

   

Immer die Hauptschule (2001) 

  Der Ministerpräsident hat eine Zukunftsmission Gesellschaft 2000 eingesetzt. Dabei wird auch die Hauptschule - wieder - thematisiert. Die Hälfte der Jugendlichen habe die Möglichkeit, eine Spitzenausbildung zu absolvieren. Das verschlechtere die Chancen derjenigen, die nicht mithalten könnten. Die Hürden würden immer höher gesetzt. Die Ausgrenzung der Verlierer werde immer deutlicher. Die Konsequenz, die Hauptschule werde zur Restschule, sei fatal. Ein Schulsystem, das denen, die in den traditionellen Leistungsfächern nicht mithalten könnten, die Chancen auf Erfolg verwehre, werde "systematisch Versager produzieren". " Wer im Schulsystem versage, versage sehr wahrscheinlich im weiteren Leben, weil keine Bereitschaft zum Lernen entwickelt werde.

  So werde der Bericht von der Landesregierung Schritt für Schritt auf seine Umsetzbarkeit hin geprüft. Das ist es: Umsetzbarkeit, darunter leidet Manches, wenn nicht gar Vieles. Die Negativa des Befundes in den Griff zu bekommen, ist sicher leichter angepeilt als realisiert. Es wird der Ideen  bedürfen. Ideen, die sich vom Althergebrachten zu lösen vermögen. Die Fachleute sind gefordert. - Wirklich nur die Fachleute? Müssen Laien stumm, Schuster, wie schon vor Jahren einmal im Bewerberforum vermerkt, bei ihren Leisten bleiben? Mal sehen, ob uns etwas einfällt, das hoffentlich nicht schon auf den ersten Blick als Ideenmüll entlarvbar ist. Vielleicht ist etwas Diskutierbares darunter, wenngleich von vorne herein zugestanden wird, dass sich Wunschvorstellungen Bahn gebrochen haben, die nur schwer zu realisieren sind. Sei's drum:

  Zunächst halten wir viel von Lernschleifen. Jeglicher Stoff ist so oft zu repetieren, bis er auf akzeptierbarem Niveau verinnerlicht ist. Wenn dieses Prinzip als Leitsatz dient, dann müssen andere geheiligte einen nachrangigen Status zugewiesen bekommen wenn nicht gar über Bord geworfen werden. So sollte die Versetzung in eine nächst höhere Klasse streng konditioniert werden. Das Pensum der Jetztklasse muss als Voraussetzung für die Versetzung mit Erfolg bewältigt worden sein. Die Rede vom "Sitzenbleiben" ist zu ächten. Vom Durchzählen der verordneten Klassenpalette sollte man daher abkommen. Der Begriff Klasse muss schon aus optischen Gründen ersetzt werden durch Bezeichnungen wie z. B. "Stufe" -  welch noch besseren Begriff man auch immer finden mag. Die Organisation des Lehrens und Lernens ist auch nicht zwingend in ein so genanntes "Schuljahr" zu zwängen. Drei Lernstufen im Jahr gäben handlichere Lehr- und Lernmodule. Und schließlich wäre die Lehr- und Lerndauer in der Hauptschule nach hinten hinaus zeitlich offen zu halten, so dass Lehr- und Lernschleifen zahlenmäßig nicht begrenzt, die Qualifizierung im Zeitablauf nicht eingeengt wird. Warum soll Hauptschülern versagt sein, was Studenten an Hochschulen zugebilligt wird? - Das liest sich ein bisschen viel auf einmal, aber so öffnen sich weitere Optionen und Türen für Neues. 

  Weiters zerlege man den gesamten Lernstoff didaktisch in viele Lerneinheiten und den Lehrstoff in viele Lehreinheiten. Nach jedem Durchgehen  einer Lehreinheit wird eine Lernkontrolle eingebaut - keine so genannte Klassenarbeit, sondern rechnerunterstützte auf den einzelnen Schüler ausgerichtete Evaluierung des jeweiligen Lernerfolges. Zu Tage tretende Lernlücken zeitigen die Folge, dass einmal zeitgleich mit der Feststellung eines Defizites die lückenfüllende Instruktion präsentiert wird, zum anderen am Schlusse jedes "Drittelschuljahres" dessen Lernpensum nochmals übergreifend kontrolliert wird. Zeigen sich bei einem "Lernsubjekt" nun noch gravierende Stofflücken, insbesonders solche, die als Grundstock für die nächsten Lehrbausteine anzusehen sind, so muss der Übergang in die nächste Stufe ohne Wenn und Aber verwehrt werden. Eine Lernschleife ist fällig.

  Wenn der Autor zurückdenkt, so erinnert er sich, dass er zusammen mit IBM einen Anlauf genommen hat, den baden-württembergischen IHK's das IBM-FIBEL-Programm zum Einsatz bei der Zwischenprüfung nahe zu bringen. Der elektronische Programmhintergrund war damals natürlich noch dürftig. Es arbeitete aber so, dass bei der Korrektur von programmierten Aufgaben die Fehlerrückmeldung nicht einfach in einem Richtig oder Falsch bestand. Vielmehr wurde dargelegt, wes Inhalts denn der Prüfungsposition zugrunde liegende Lernstoff ist. Prüfen und dabei Lernen. Damals hatte aber ein westfälischer Verlag fast überall schon Jahre zuvor eine andere, zwar schlichtere, Version  etabliert und die IHK's konnten sich nicht entschließen, die Pferde zu wechseln.  - Zurück zu den Visionen, die Voraussetzung für jegliche Verbesserung von Verhältnissen sind:

   Entlang der Unterrichtsjahre entzerren sich die Einschulungsjahrgänge. In fortgeschrittenen Lerneinheiten treffen sich beispielsweise solche, die die Schule erst 3 Jahre besuchen mit jenen, die schon 6 Jahre dabei sind. Die Lern-gruppen definieren sich nur anhand der erreichten Lern- bzw. Leistungsstufen. Das hätte zur Folge, dass manche Schüler 11 Jahre und mehr die Hauptschulbank drücken - eine solche Gestaltung brächte mit sich, dass das Alter für die Aufnahme einer Lehre so gut wie keine Rolle mehr spielen dürfte. Es würde zwar offenbar, dass ein Heran-wachsender etwas "langsam begreift", aber immerhin hätte er das Notwendige begriffen und gespeichert. Er brächte in Mathe keine 5, sondern eine Drei. - Frage: Wer ist denn brauchbarer, der/die Jüngere mit einer Vier oder der/die Ältere mit einer Zwei?

  Ideen zu haben ist viel leichter als sie umzusetzen. Siehe zuvor. Umsetzbar müssen sie sein, denn die Lernbegleitung  wäre gegenüber dem jetzt Praktizierten ungleich stärker zu intensivieren. Selbst wenn etliche beieinander liegende, sich berührende Lerngruppen zu einer übergreifenden zusammengefasst würden, könnten sie doch keine Klassenstärken annehmen. Klassenräume könnten so räumlich nicht optimal genutzt werden, die Anzahl der Lehrenden und auch Rechner wüchse ins Unfinanzierbare. Und alte Warnungen vor der Auflösung von Klassenverbänden sind ja auch nicht substanzlos. Auch kämen die "Nachhänger" sicherlich in einen schiefen sozialen Ruch. Allein, wenn man die Debatten verfolgt, ob man einem 14-semestrigen Studenten einen Obolus für die Belegung eines Studienplatzes abverlangen darf und die Zahl der davon Betroffenen erfährt, kann man schon darüber grübeln, dass ganz offensichtlich die sozialen Bedenken, die oben bei Schülern erwähnt wurden, für studentische Durchhänger in der Öffentlichkeit gar nicht artikuliert werden, folglich nicht existent sind? Kann sein, dass diese Semester sich beim Bewerben etwas schwerer tun. Aber der schließlich doch noch erreichte akademische Grad deckt die ja auch meist unbekannte Vorgeschichte gnädig zu.

  Wenn aber ein Hauptschüler wegen fehlenden Abschlusses oder wegen etlicher schwer wiegender Fünfer vor den Toren der betrieblichen Ausbildung durch Abweisung eine ganz andere Art der Deklassierung erfährt, indem er nämlich in sozial weniger angesehene Berufsbilder verwiesen wird, jedenfalls in ein anderes als von ihm ursprünglich neigungs-gemäß angepeilten, dann wird er doch noch von einer diffusen sozialen Schieflage eingeholt. Wohlbemerkt, wie sehr, das hängt nicht zuletzt auch von der Marktlage ab. Wenn anerkannt wird, dass es aus der Sicht der Rekrutierung so genannte Problemberufe gibt, dann ist es ganz und gar unerfreulich, wenn hier nur junge Leute mit schlechtem Zeugnis landen. Auch vermeintliche Problemberufe kommen heute nicht mehr ohne die Anforderung aus, dass angemessene Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen einzubringen sind. Auch die Aufstiegsmöglichkeit sei nicht aus den Augen verloren: Gibt es nicht z. B. den anspruchsvollen Beruf des Mechanikermeisters? So mag es vielleicht doch an der Fähigkeit liegen, die Problematik mit adäquater Lehr- und Lernorganisation anzugehen, in Form von Kompromissen, Mischlösungen. Man wird wohl ohne diverse Modellversuche nicht auskommen, will man das eingangs rezitierte, öffentlich ausgemachte Dilemma einigermaßen in den Griff bekommen oder wenigstens Verbesserungen erzielen. 

  Interessant ist, dass über den Fortschritt des Vorhabens weder in der Regionalen noch Überregionalen (Zeitung) auch nur ein Sterbenswörtchen zu lesen gewesen wäre. Auch nicht in der doch so modern daher kommenden IHK-Zeitschrift. Könnten überhaupt Fundstellen benannt werden?

 

TIMMS? TiMMS! (2001)

  Bringt "TIMMS" Unruhe? Weiß denn jemand, außer Fachleuten, was TIMMS ist?

  TIMMS ist die dritte internationale Vergleichsstudie für Mathematik und Naturwissenschaften - in Schulen. Postuliert wird die umfassende Qualitätsüberprüfung. Deutsche Schüler kamen dabei schlecht weg, vermutlich nicht nur deutsche. Denn weshalb soll ein weiteres Programm für Internationale Schülereinschätzung (PISA) sich nun damit befassen, die gesamte, nicht nur die technische, Unterrichtskultur auf den Prüfstand zu stellen? Die Frage zielt auf die Unterscheidung zwischen nicht nur national, sondern weiter hin international! Ein gewisser Trost: Baden-Württemberg und Bayern liegen immerhin national an der Spitze.

  Was will PISA genauer? Man staune: Sie stellt in den Mittelpunkt die Lesefähigkeit! Denn die Lesekompetenz ist der Schlüssel zum Zugang zu allen Fächern. Wohl wahr! Daher geht es denn um Lesemotivation, Leseinteresse, Leseerfahrung. Denn, so Heike Schmoll, FAZ, "echte Lesekompetenz kann nur durch einen gelungenen Unterricht vermittelt werden." - Nun kommen noch die Ergebnisse einer Studie der Mainzer Stiftung Lesen hinzu. Der Blick auf Jugendliche bringt auch hier nichts Gutes an den Tag. Durch Computernutzung und Internet wird das Leseverhalten verändert: weniger und oberflächlicher wird gelesen. Gezappt wird nicht nur am Fernseher, sondern auch auf Papier. Die Geduld fehlt, sich mit Textinhalten auseinander zu setzen. Folglich kommt auch das Verstehen abhanden.

  Schmoll übt Kritik an der Meinung - Ungefährzitat, dass die Schule ihre erzieherische Aufgabe vernachlässige. Nicht die Erziehung in der Schule habe die primäre Rolle zu spielen, sondern Wissens- und Kulturvermittlung. Leistungsanspruch sei die Basis für Lernbegeisterung, Pflichtbewusstsein, Lernbereitschaft, Pünktlichkeit und Ordnung. Schmoll beklagt auch, dass wegen des Werteverfalls und unzureichender Grundkenntnisse ständig neue Forderungen an die Schule herangetragen werden. - Das gefällt.

  Was eruierte TIMMS? Das Mittelstufenergebnis hat sich für die Oberstufe bestätigt, obwohl TIMSS nichts Anderes fordert, als das im Lehrplan Verlangte. Schüler der Oberstufe sind "unfähig, komplexe Aufgaben mit der Anwendung mathematischer oder naturwissenschaftlicher Modellvorstellungen zu bewältigen oder selbständig fachlich zu argumentieren". Die Leistungskurswahl stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der späteren Berufswahl. Und: "Die gängige Annahme, dass Interesse an der Sache zu einem entsprechenden Lernerfolg führt, wird ... nicht bestätigt." - Das verstehe wer will. Also müsse her ein lehrerzentrierter Unterricht. Auch und gerade ein solcher könne die Schüler zu jenem selbständigen kreativen und problemlösenden Verhalten bringen, das deutschen Schülern fehle. U. E. wäre das Üben in der Gruppe - unter Anleitung - erfolgversprechender.

  Aber gehen wir zurück zur Lesekompetenz. Sache gelungenen Unterrichts? Das, wenn denn ein Nichtfachmann seine Meinung darlegen darf, mag gestimmt haben noch vor Jahrzehnten. Denn heute kann ein noch so gelungener Unterricht Defizite in Lesekompetenz nicht beseitigen. Warum? Weil sich Grundlegendes geändert hat. So sehr und so wenig geistig verarbeitet, dass heutige Gegebenheiten gar nicht mehr als unnormal empfunden werden. Der Autor ist eine alte Leseratte in jeglicher Hinsicht. Daher kann er zu "Früher" etwas sagen und in Erinnerung rufen.

  Wenn ein Kind früher neugierig war, dann löcherte es entweder die Eltern mit Fragen oder es ging früher oder später einen eigenen Weg bei der Suche nach Antworten und Stillung der Neugierde. Da waren Bilder, meist gemalt oder gestochen, da waren Geschichten, gedruckte. Die Bilder standen beliebig lange vor Augen, der Geschichtentext ebenso. Den Konsum des Lesestoffes konnte man entlang der Zeit beliebig verteilen. Verstand man eine Stelle nicht, dann konnte man darüber grübeln oder zurückblättern dorthin, wo Grundlegendes stand. Es gab keine Alternative. Jeder einigermaßen Neugierige erwarb sich so Lesekompetenz, anfänglich weniger ausgeprägt, je länger je mehr aber fundierter, ertragreicher.

  Heute? Auch Bilder! Eine Flut davon! Dazu schnell wechselnd, das Auge kann kaum folgen. Und Sprache! So schnell, so viel, so andauernd, so voll Seichtigkeit. Der Verstand des Kindes kann gar nicht pausieren, repetieren, verdauen, was da über es kommt, sitzt es denn vor der Glotze Spielen nach alter Art? Auf der Gass? Phantasie entwickeln? Wie denn, warum denn? Wer bringt ihnen bei, die Flut der Informationen zu filtern, zu gewichten, zu beurteilen? Die Eltern etwa? Der Verstand der Kinder ist den Bilder- und Sprechströmen schutzlos ausgesetzt. Passivität pur. Wo soll Aktivität herkommen?

  Also, die - leichtere und schlechtere  - Alternative zu früher wird von uns ausgemacht als dasjenige Phänomen, das Lese- und damit Lernkompetenz ausapern lässt zu rudimentären Fähigkeiten, deren Volumen nicht ausreicht, um den schulischen Anforderungen entsprechen zu können. Und da gibt es doch tatsächlich Leute, die in ihrem Unverstand fordern, dass die Schulen jeglicher Stufen dieses Manko ausbügeln sollen. Selbst wenn sie es könnten, es wäre nicht ihre Aufgabe.

  Daher muss die Gesellschaft Sorge dafür tragen, dass die Kinder mit entsprechenden Lernfähigkeiten in die Schule kommen, ungeachtet der Tatsache, dass es immer schon gute und schlechte Schüler gab und geben wird. Weil dem so ist, muss die Lernfähigkeit wenigstens individuell optimiert werden, von wem auch immer. Halt! Von denen, die lehren oder von denen, die lernen? Von denen, die anfänglich erziehen sollen oder von denjenigen, die im Bildungssystem erst später zum Zuge kommen (können)? Wenn die Meinung gälte, dass die Lehrenden für die Optimierung des Lernens zuständig sind, verkürzt sich die Geschichte zur These "Lehren ist gleich Lernen". Auf den ersten Blick schon ist zu erkennen, dass das nicht stimmt. Da ist der unterschiedliche Grad der Rezeption davor. Drehen wir es um: Ist Lernen nur möglich, wenn Lehren geschieht? Auch hier ein offensichtliches Nein. Lernen kann autark geschehen. Wenn also, wie immer man es dreht und wendet, das Lernen entscheidend ist, dann muss doch wohl schwerpunktmäßig hier angesetzt werden? Wie? Indem die Eigenaktivität nicht nur gefördert, sondern verlangt werden muss. Personale Inaktivität, oder sagen wir gleich Passivität, anerzogen, durch das Umfeld sich herausbildend, kann Lernfähigkeit nicht schaffen noch gar optimieren. Eigenaktivität ist eine Sache der frühen Entwicklung eines Menschen. Daher gründet auch Lernfähigkeit in jungen Jahren. Damit ist die Frage beantwortet, ob Früh- oder Späterziehung die besseren Ergebnisse bringt. Wer erzieht früh? Die Eltern natürlich. Können denn die's? Doch oft nicht. Wer  trimmt also die Eltern, die es nötig haben? Natürlich die Gesellschaft guthin. Wie? Wenigstens das Notwendige thematisieren! Wie die Eltern überhaupt erreichen? Genau so, wie es Angebote von Waren und Diensten tun. Weil nämlich auf diesem Sektor kein Mangel an Anstrengungen und Ideen herrscht. So einfach kann man's sehen.(Rückblickend erhält die Kitadebatte - Kita oder daheim - 15 Jahre später einen richtungweisenden Duktus.)

   Nun sind wir von der Lernfähigkeit über die Eigenaktivität zur Erziehung gelangt. Wir versagen es uns darzulegen, was Erziehung meint. Versäumt werden darf aber auch bei diesem Stichwort nicht der Hinweis, dass es eine Fremd-sowohl als auch eine Eigenerziehung gibt. Die Mutter des Verfassers war eine sehr schlichte Frau. Sie war keine Koryphäe im Erziehen, denn ihr Sprössling hat so seine Defizite. Aber mit einer These hatte sie recht (r!). Sie meinte nämlich, "dass sich der Mensch auch selber erziehen müsse!" - Also, er muss sich - auch - selbst erziehen, er muss selbst eigenaktiv werden, er muss selbst lernen. Er muss auch erkennen können, was gut, was schlecht ist. Ein Kind muss selbst herausbekommen, ob für es Lesen oder Fernsehen besser oder schlechter ist. Etwas Kombination mag ja auch nicht das Dümmste sein. Der Erwachsenenwelt sollte es doch möglich sein, hier Hilfe zu gewähren?

 

Hauptschule = Restschule? (1996)

(Schulexperimente und kein Ende. Zugegeben, Anpassung ist notwendig. Stichwort "Gemeinschaftsschule", en vogue unter Grün-Rot. Eigentlich ein Alter Hut. Gibt's in Konstanz schon lange. Zu den sich abzeichnenden Gesetzestrends: Die vorgesehenen Vorgaben für Mindestschülerzahlen aller Einrichtungszwecke werden hier skeptisch beurteilt. Man müsste solches den Kriterien des Einzelfalles anheimstellen. So kann man Starre bzw. Inflexibilität umgehen.)

  Immerwährendes Sorgenkind, weil die Schülerzugangsquote zur HS alarmierend niedrig bleibt? Der Großteil der Eltern setzt alle Hebel in Bewegung, um die HS umgehen zu können. Viel Gutes ist unternommen worden, um sie nicht als Endstation abzustempeln, z. B. Öffnung zu weiterführender Bildung, Ausweitung des Stoff- und Lernangebotes, bessere Ausbildung der Lehrer u. a. m.

  Als Laie in diesen Fragen ist es schwierig, substantielle Überlegungen beisteuern zu wollen, zu können (Schuster bleib ...). Allein, wenn auch die Dinge nachfolgend etwas naiv betrachtet werden, so kann man doch der Meinung sein, dass jeder Grundschuljahrgang begabte und weniger begabt Kinder aufweist. Was für eine Einsicht! Wenn man jedoch mitbekommt, wie unter der Losung "Gleiche Chancen für alle!" gegen solche Elementargegebenheiten angerannt wird, ist sie urplötzlich nicht mehr nur lächerlich. Der Kontext bewirkt die Qualitätsveränderung. Nie wird es gleiche Chancen für Alle geben. Weil aber dem so ist, kann nicht eine Linderung dadurch erreicht werden, dass die Begabten gebremst werden, vielmehr ist die Unterstützung der Schwächeren der richtige Weg.

  In der Jugend des Verfassers galt die These als richtig, dass die sehr begabten Schüler ins Gymmi, die begabten in die Realschule überwechseln und die weniger Begabten in der "Volksschule", sprich jetzt Hauptschule, verbleiben. Das hat leider nicht immer funktioniert, denn selbst solche, die Gymnasiumsanwärter hätten sein können, veblieben in der Volksschule, wachten im Zweiten Bildungsweg noch auf oder aber - leider nicht. Sogleich nach dem Kriege gab es noch keine Bildungspolitik mit Ambitionen, die den heutigen vergleichbar wären, zumal Umsetzungen weit intensiver als heute von fehlenden Finanzen abhingen. Insbesondere war sie noch nicht darauf angelegt, den Eltern der einfachen Schichten ihre Scheu oder gar Ehrfurcht vor der "Höheren Schule" nehmen zu wollen oder zu können. Die Höhere Schule war eben nur für "Bessere", für Kinder von "Herren" üblich. Man glaube es!

  Es dauerte, bis man meinte, dass Handlungsbedarf bestünde. Erst musste "institutionsdurchgängig" bewusst werden, dass der Begabungsgrad nicht vom sozialen Status abhängt, dass er entlang der Schulzeit nicht ein für alle Male fixiert ist, es bekanntlich Spätentwickler gibt oder auch "Spätlerneifrige". Wohlbemerkt, das wird formuliert aus der Sicht nicht der damals engagierten Pädagogen oder Politiker, sondern aus derjenigen der gemeinhin antreffbaren. Schließlich gingen die Eltern fast durchgängig noch vor dem Ersten Weltkrieg zur Schule, viele Male auf dem Land, vor dem Zuzug in die Stadt. Es sei dahingestellt, ob der Spruch, "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", so sehr im Fleisch und Blut der Älteren verankert war, dass fehlender Lerneifer oder auch bezweifelte Begabung in den Eingangsjahren der Volksschule als nicht umkehrbar oder als verpasste Chance, schlicht als irreparabel angesehen wurde. Mittlerweile ist für das Weiterkommen durch weiterführende Bildungsangebote gesorgt - eine große Leistung.

  Die Tatsache, dass riesige Anteile der Grundschuljahrgänge in "höher" eingestufte Schulen überwechseln, lässt die Vermutung aufkommen, dass sich mittlerweile ebenso riesige Teile der Gesellschaft zur "besseren" Fraktion zählen. Das kann man eigentlich nicht so stehen lassen, weil ja nur analog aus der Vergangenheit in die Gegenwart projiziert wurde. Außerdem impliziert die - vermeintlich überwundene - Klassifizierung, dass den "Besseren" "Weniger Gute" entsprechen, zur Seite gestellt sind. Eine solche Einteilung mutet als empörend an - ist sie auch. Aber es gibt sie noch, die "Unteren Schichten" (heute die "Bildungsfernen"). Sie überlappen sich nur teilweise mit den Sozialhilfeempfängern. Nach wie vor gibt es viele, die sich ganz bewusst - selbstbewusst - in der unteren Skala der gesellschaftlichen Schichten ansiedeln. Plebejerstolz. Leider Gottes wachsen da nicht nur einfach Kinder hinzu und hinein, sie geraten hilflos dazu und man muss ja nur Ausländer bestimmter Provenienz sein, um am Rande leben zu müssen.

  Ist die HS die Schule der Gesellschaft minderen Ranges? Und wenn diese Randschichten einen geringeren Bildungsstand haben, ist es dann Schuld der HS? Ist es auf sie zurückzuführen, wenn ausländische Kinder erschreckend oft den Hauptschulabschluss verfehlen, keine Lehre absolvieren, sie beginnen, dann wieder abbrechen? Ihre Ausbildungsbereitschaft hat sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelt auf jetzt rund 30 % (bibb). Der Prozentsatz des Abbrechens stieg in gleicher Zeitspanne von 19 auf 24 %. Gründe: 41 % müssen schnell mitverdienen; 29 % haben keinen Schulabschluss (! - darauf ist zurückzukommen); bei 10 % haben die Eltern den Antritt einer Lehre verhindert. Nur die Hälfte der ungelernten Ausländer nutzen die Informations- und Beratungsmöglichkeiten. (Stehen die Dinge heutzutage anders?)

 Als für richtig wird hier gehalten, die HS akzeptiert, dass sie es mit den Wenigerbegabten, den Noch-nicht-Aufge-wachten, den - möglicherweise begabten - Fremdlingen zu tun hat. Da auch "bessere" Bevölkerungsschichten minder begabte oder spät zündende Kinder bekommen können, ist so die HS nicht diejenige, die nur gesellschaftlich tiefer Angesiedelte aufzufangen hätte. Nur so kann das Ist sich ehrlich darstellen.

  Man bedenke: hochbegabte, lernmotivierte Schüler in immer höhere Bildungsgefilde zu befördern, ist doch wohl leichter, als bei den weniger Begabten einen von den späteren Berufsanforderungen her definierten durchaus anspruchsvollen Bildungsstand zu vermitteln. So gesehen sind HS-Lehrer, wenn die Zugangsschleusen zu höheren Bildungswegen entsprechend ausgelegt und gesteuert sind, einfach die geforderten Pädagogen. Das muss sich aber auf deren Ausbildung, auf die Ausstattung der HS auswirken. Da ein "Wenigerbegabter" des intensiven und vor allem begleitenden Lehrens bedarf, muss schlicht das intensive Lehren und Lernen ermöglicht werden, qualitativ, quantitativ, wobei möglicherweise die Quantität auch als angepasster Zeitaufwand zu verstehen ist (Schuldauer). Was haben dem gegenüber unsere Studenten zeitlichen Spielraum (zumindest damals), gerade die Intelligenz, die ja doch wohl über dem Durchschnitt liegen will. Muss einem da nicht der Gedanke kommen, dass der HS analog zur Akademikerausbildung - auch - mehr Lehr- und Lernzeit zuzubilligen ist, wenn notwendig?

  Früher war im achten Schuljahr Schluss. Heute haben wir Neuner, in Zunahme begriffen Zehner in der HS. Also bewegen wir uns schon auf dieser Schiene? Nein, das war nicht gemeint. Die jetzige Schuljahranzahl determiniert sich vom Lehrstoffvolumen her. Es geht auch nicht um eine Höherqualifizierung. Nein, hier geht es um die Rezeptionsgeschwindigkeit des Lehrvolumens durch den Schüler, der Schülerin, was zur Konsequenz hat, dass der Zeitbedarf "zum Durchnehmen" des Lehrstoffes kein fixes Datum sein darf, sondern dehnfähig gemacht wird. Es wird der Diskussionsanstoß versucht, zwingend alle Hauptschüler zum HS-Abschluss zu bringen, einfach, indem so lange einzelschülerbezogen HS-Zeit angehängt, investiert wird, bis der Abschluss gemeistert ist, spassigerweise sei angefügt, ... und wenn der Schüler mittlerweile volljährig ist.

  Bekommen nicht die Studenten nunmehr immer verbreiteter die Chance zum "Freischuss"? Denn die Freischuss-Regelung wird jetzt auch für Diplomprüfungen eingeführt - laut Kultusministerkonferenz. Sie soll vorsehen, "dass zum ersten Mal nicht bestandene Fachprüfungen als nicht unternommen gelten, wenn sie innerhalb der Regelstudienzeit ... abgelegt wurden". Gut, das meint zwar nicht den gleichen Sachverhalt, denn bei unserem Vorschlag geht es ja um ein Zeitenanhängen. Beide Varianten aber verschaffen Erleichterung, wenn auch die Motive differieren. Auf alle Fälle: Der Student kann weiterstudieren, misslingt der Schuss und das meint schließlich doch nur ein Wiederholen der Lernstoffe.

  Für die Schule bedeutete es nach unserem Dafürhalten nicht, dass elfte, zwölfte etc. Klassen einzurichten wären. Nein, diejenigen, die den Abschluss nicht geschafft haben, werden so lange zurückgestuft, in einer Lernschleife gehalten, bis sie durch Stoffwiederholung es endlich schaffen.

 

Lernen  wann  für  was  warum? (2002)

  Da ist ein Elternpaar. Sein Blick ruht auf seinen Kindern. Die Gedanken schweifen in die Zukunft. Was hat sie vor mit den Kindern? Was lässt sie über sie kommen? Letztlich herrscht Ratlosigkeit. Sie verfügen über einen Erfahrungsschatz, einen, den sie in der Vergangenheit erwarben. Trägt er, trügt er? Trüge er, trügte er nicht. Dann lohnte sich womöglich der Versuch des Extrapolierens, des Hinausziehens der eigenen Lebenslinien in die Zukunft.

  Ah! Eigene Versäumnisse dürfen die Kinder nicht wiederholen, solche Niederlagen wie erlebt sollen sie nicht erleiden müssen. Sie sollen befähigt sein, Grenzen, die man selbst nicht durchbrechen konnte, zu überwinden. So schauen denn die Eltern nach vorne - und was sehen sie? Sie sehen Lebensrisiken mit verschwommenen Konturen; es ist ihnen unmöglich, die unendliche Vielfalt der anstehenden Gegebenheiten auch nur marginal zu überblicken, geschweige denn zu begreifen. Es kommt ihnen in den Sinn, dass die Umwelt, so wie sie sich darbietet, kaum Anstalten machen wird, ihre Kinder an den ihnen zustehenden optimal positionierten Platz zu hieven. Zeigt nicht alle Erfahrung, dass man sich dorthin vorkämpfen muss, zumal dieser Platz Einiges zu bieten haben sollte: Ansehen, Vermögen, Einfluss und was der Wünsche mehr sind. Rüstzeug ist vonnöten! Und mit einem Schnellschuss wissen sie: niemand weiß es besser als sie selbst, mit welchem Rüstzeug die Kinder auszustatten sind. Man muss nur noch auswählen und zugreifen, der Staat breitet alle Gerätschaften vor ihnen aus. Und obwohl eigentlich der Überblick über die Vielgestaltigkeit der Auspizien fehlt, treffen sie die Auswahl.

  Man sollte es nicht als Vorwurf lesen, denn die Eltern können doch rein gar nichts dafür, dass sich die Zukunft so undurchschaubar darbietet. Auch ist der Zwang zum Handeln vorgegeben. Schließlich sind die Kinder doch - noch - unmündig! Was wissen sie schon, was sie erwartet? Wie wollen sie wissen, was sie überhaupt wollen - sollen? Talente? Sie schlummern  noch, zeigen nur undeutliche Richtung. Überhaupt, man kann ja Talenten auch die Richtung aufzeigen, sie ein wenig umbiegen.

  Vor lauter Determinierungsdrang kein Versuch des kühlen Zurechtlegens der Erfordernisse. Wenn das Was deutlich wird, dann wird auch schon das Wann und Warum  einsichtig und umgekehrt. Simpel: Warum überhaupt den Kindern "Bestimmtes" übermitteln? Wie das Bestimmte definieren? Also, das übermittelte Bestimmte sollte doch für die Bewältigung der Lebensaufgaben fähig machen, zumindest nützlich sein. Aber nur das Leben bewältigen zu können ist zu wenig. Lebensqualität soll erlangt werden können. Sie betrifft Beruf und Privatleben in all ihren Dimensionen. Also müssten die Eltern, wenn sie es denn einigermaßen richtig anpacken wollen, die Tauglichkeit fürs Leben dessen, was sie übermitteln sollen und wollen, kritisch prüfen und insbesondere dabei den Zeitpunkt des Vermittelns im Auge behalten.

  Es gibt  einen Katalog dessen, was als Basis geeignet erscheint, denn es gab Zeiten, da wurde er in Frage gestellt, zumindest degradiert. In alter Tradition meinen wir, bestimmte Tugenden als primär zu beachten empfehlen zu können, auch wenn ihnen schon einmal die Eigenschaft des Sekundären angehängt wurde. Also, der Determinierungsdrang, der die Eltern befällt, sollte zunächst ein Anliegen befolgen, nämlich etwas einzubringen bei der Erziehung und bewusst vorzuleben als da sind Friedfertigkeit, Fleiss, Treue, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Geradlinigkeit, Ordnungsliebe, Sauberkeit und was des Wertvollen noch mehr ist. Ab wann die Zeit für das Vermitteln dieser Eigenschaften und daraus entstehenden Mentalitäten gekommen ist und wann es damit ein Ende haben sollte, wollen wir vordergründig nicht verdeutlichen. Auf alle Fälle droht ein Zuspät!

  Verabschieden wir uns von den Verantwortlichkeiten der Eltern. Wenden wir uns dem Lernen, dieser so wichtigen Aneignungstechnik zu. Es dient dem Erwerben von - ja was? Es fallen einem ein die Wörter Kennen, Wissen, Können. Befasst man sich mit ihren Inhalten, so ist es offensichtlich schwierig, saubere Konturen zu zeichnen. Unvermittelt bewegt man sich auf schwankendem Grund.

  Kennen. Wenn etwas gekannt wird, weiß man dann darüber Bescheid? Uns scheint, unvollständig, dies auf alle Fälle. Wie sehr, bliebe zu ergründen. Man weiß davon, mal mehr, mal weniger, wenn alles, dann hat man es erkannt. Kann man sagen, dass Kennen das Nennen des Was verlangt? Wird es erwähnt, dann kommt zum Ausdruck, dass man ihm begegnet ist, wie auch immer. Man lernt das Gekannte nicht immer, das Was wird oft einfach so vereinnahmt. Aber man hat's! Offensichtlich wird, dass zum Haben nicht unbedingt Lernen nötig ist. Das ist bestens bekannt bei materiellen Dingen, bei Immateriellem zumindest weniger bewusst. Aber immer noch wird das Volumen des Kennens durch Lernen am zielgerichtetsten ausgeweitet.

  Wissen. Warum sagt man nicht einfach "er weiß es", meist aber "sie/er/es weiß Bescheid"? Wer Bescheid weiß, könnte Bescheid geben, das Wissen wäre vorhanden. Es wird deutlich, dass man gerne am Wissen des Anderen teilhaben möchte. Wissen ist Macht. Wie kommt man zu Wissen? Indem man sich mit einem bestimmten Thema/Tatbestand, Wissensstoff befasst. Was meint befassen? Es ist vielschichtig. Lesen, Hören, Sehen, Beobachten, Probieren, Riechen, Schmecken, Fühlen - man erkennt den Einsatz der Sinne - aber eben auch Verstehen, Einprägen und schließlich aber nicht abschließend, die Bereitschaft dazu. Was für ein Einsatz, um zu Wissen zu kommen! Was fehlt? Das Objekt! Genauer? Nichts genauer: Schlicht ALLES! Materielles und Nichtmaterielles. Alles, was man kennt. Man weiß sogar, dass es Unbekanntes - noch absolutes, aber vielleicht erschließbares gibt. Immer weiter werden die Grenzen gezogen. Jetzt aber das Tragische: Sobald die einzelne Person ins Spiel gelangt, schrumpft das Universum des Wissens zusammen, je nach Individuum verschieden. Dieser Magerzustand ist Appell, Aufforderung zum Lernen. Nur es ist in der Lage, planvoll und zielgerichtet die Wissensvolumina  auszuweiten. Dabei bietet sich alles so schön dar: Keine zeitliche Lernbegrenzung, kein Faktor, der Wissensobjekten den Zugang versperren müsste, letztlich nicht einmal bei Geheimem. Kein berechtigtes Hinterfragen, ob Wissen überhaupt nötig sei. Es ist zu schön, um wahr zu sein.

  Können. Was ist Voraussetzung für das Können? Offensichtlich das Kennen und das Wissen und damit das Lernen. Nicht gerade 1 : 1 jedoch überdeckend genug wird deutlich, dass Kennen und Wissen, bleibt es dabei, früchtelos verharrt. Dem Menschen bringen sie nur etwas, wenn er von dieser Plattform aus zum Tun fähig, d. h. sein Potential umzusetzen in der Lage ist, was eben Können und Gelegenheit voraussetzt. Was geschieht beim Umsetzen? Zuvörderst Denken, Versuchen, Handeln, Üben, Forschen, Entwickeln. Im Sprachgebrauch ist Können immer ein wenig blass. So versucht man mit etwas Nachdrücklichkeit zu Fähigkeit und Fertigkeit zu gelangen. Noch kräftiger: Können ist Tun mit Erfolg. Ihm ist das Nichtkönnen gegenüber zu stellen.

  Es kann unüberwindbare, schreckliche Mauern errichten. Unmöglichkeit kann es gebieren, riesige potentielle Wissensbereiche können verschlossen bleiben. Das Nichtkönnen überwiegt beim Vorkommen das Können. Mit vielem muss sich die Menschheit abfinden. Um so tragischer, unverzeihlicher ist es daher, wenn die Beschränktheit des Könnens auf Faulheit, Desinteresse, Dummheit, Versäumnisse zurückzuführen ist.

  Kennen + Wissen + Können - zur Summe fällt uns das Wort Bildung ein. Wenn ein Mensch etwas kennt, weiß, kann, gilt er dann als gebildet? Offensichtlich zunächst nein. Einmal erwartet man von allem ein gewisses Maß - wie viel, die Meinungen darüber schwanken. Dann aber meinen wir zum weiteren, dass noch ein zusätzlicher Faktor hinzutreten muss. Zu nennen ist der Charakter, der sich aus vielerlei Eigenschaften zusammensetzt, nicht zuletzt solchen, die wir als Tugenden bezeichneten. Diese Hinzufügung verbreitet einen Hauch von Humanismus, von Idealen und von hier aus ist  es kein weiter Schritt zurück zu W. von Humboldt. Das Streben nach Bildung war damals so sehr en vogue, dass sich ihrer "Bewegungen" annahmen. Rein, sich selbst genügend, die Ausrichtung auf praktische und profane Zwecke verneinend, sollte die "allgemeine" Bildung daherkommen. Die fach- und berufsbezogene Erziehung, wie sie unter dem Ancien régime gehandhabt wurde, geriet zur eigenen Kategorie: Das Band zwischen Theorie und Praxis wurde gekappt und so kennen wir heute allgemeinbildende und berufsbildende Systeme, zum Glück "bilden" noch beide. Nicht erst wir Heutigen erkannten, dass der reiche höhere Stand auch mit nur schöngeistiger Bildung durchs Leben kam. Kerschensteiner, der Begründer der Berufsschulen, wusste, dass Arme und Normalbetuchte ohne praktische Fertigkeiten der blanken Not ausgeliefert waren.

So wurden die Bildungselemente bewusst vor den -arten erwähnt aber das Was will trotzdem genuin Unterschiedliches von einander getrennt halten. Zurecht differenziert das Leben zwischen allgemeinem und berufsfachlichem Wissen, wohl wissend, dass ja auch Allgemeinwissen und Berufsfachliches lern- und lehrstofflich in "Fächer" zerfallen. - Diese Unterscheidung ist, so meinen wir, sehr bedeutsam für das Wann. Die Frage ist provoziert, ob Allgemeinwissen und Berufswissen am besten parallel bzw. simultan oder zweckmäßigerweise zeitlich versetzt erlernt und damit gelehrt werden soll. Was trifft man denn institutionell an?

  Es gibt zunächst grundlegende Fertigkeiten, die sich von Kennen und Können herleiten. Ohne sie weder die eine noch die andere Bildungsart. Angesprochen sind Schreiben, Lesen und Rechnen. Bei ihrer Vermittlung bedarf es des Kennens (Erlernens) der Buchstaben und der Zahlen als semiotische Gebilde. Die Zeit des Erlernens bedarf keiner Erörterung. Der Grundstock des Wissens ist dann erst gelegt, wenn hier keine Defizite bleiben und anhalten. Dem Wissen und einer Grundbildung fehlt jeglicher Sockel, wenn, wie immer öfter moniert, Schreiben, Lesen und Rechnen nicht beherrscht werden. Daher sollte bei Versetzungen und Übergängen auf weiterführende Schultypen allerstrengste Maßstäbe angelegt werden. Funktionieren hier installierte Riegel und Schleusen, dann wird einem Großteil des heutigen Lamentierens der Boden entzogen. Solange es Grund zum Jammern gibt, ist etwas faul im Bildungssystem. (Wie kommt es, dass Akademiker vermehrt nicht in der Lage sind, fehlerfreie Bewerbungen vorzulegen?)

  Noch völlig ohne Ansätze von Erkenntnis darüber, wann es denn wohl opportun erscheint, einen Menschen an allgemein und an beruflich Bildendes heran zu führen, ein paar Tastversuche. Verhält es sich etwa so, dass allgemein bildender Stoff zu bestimmten Zeitspannen besonders gierig oder interessiert aufgenommen wird? Die gleiche Frage mit Blick auf Berufswissen. Da ist ein wissbegieriger Junge/wissbegieriges Mädchen. Welchem Lernelement  wendet er/sie z. B. eher interessiert zu, der Alpenüberquerung des Hannibal oder den Regeln der Metallformung, der Maltechnik, den Geheimnissen des Lebens, den Baustilen, den elektrischen Phänomenen oder der Kunst der Buchführung, vielerlei Arten von Logik bei technischen Arbeitsabläufen etc. etc. - uns scheint, dass Anforderungen allgemein bildender Erscheinungen eine tendenzielle Präferenz aufweisen. Grundlegendes Allgemeinwissen befähigt die Heran-wachsenden, ihre Blicke in alle möglichen Richtungen schweifen zu lassen. Heranstürmende Eindrücke, erwartete Einstellungen sind leichter zu rezipieren, rationale Reaktionen vermag man eher bereit zu stellen, als wenn vorzeitige berufliche Fixierungen die Lernkapazitäten in Beschlag nehmen.

  Gibt es gar Zwänge etwa der Art, dass die Vermittlung von Berufswissen - abgesehen von Schreiben, Lesen, Rechnen - einen bestimmten Fundus an Allgemeinwissen verlangt? Bezogen auf die Gesamtpalette in geringerem Ausmaße, wenn auf weniger qualifizierte Anforderungen und Tätigkeiten abgestellt wird.  Sehr wohl aber sind sie zu benennen bei höherer Qualifizierung, aber auch hier nur spezifisch. Der spätere Chemiker wird kein solcher, wenn er in der Schule schon in relativ früher Phase es versäumt oder keine Gelegenheit hat, sich mit chemischen Phänomenen zu befassen und der Ingenieur muss halt das Unterrichtsfach Physik durchlaufen haben. Die berufsspezifische Ausbildung setzt ein gar nicht so kleines Grundwissen voraus. Für ehrgeiziges Lernen ergibt sich daraus die Forderung, schon relativ früh Intensitäten und Aufmerksamkeiten zu mobilisieren, also nicht die Meinung zu pflegen, dass mit der Zeit der Rat kommt. Es zeigt sich die generelle Erkenntnis, dass eine früherworbene breite und fundierte Allgemeinbildung die Türen zu vielerlei Berufssparten öffnet. Man gewinnt reiche Wahlmöglichkeiten.

  Irgendwelche Talente hat jeder. Es geht darum, sie zu pflegen und zu entwickeln. Auch dieses Postulat schreit nach Frühzeitigkeit, denn Verkümmerung droht. Und was die Freude am Tun anbetrifft, so ist deren Pflege Voraussetzung für das lebenslange Vorhandensein an Motivation: Spielen, Werken, Basteln, Probieren. Die Schulen sind geschmückt mit Kunstwerken ihrer Schüler, die das Staunen lehren.

  Weil  sich Lernen auf Eigenmotivation stützt, es lebenslang ausgeübt werden muss, ist nichts wichtiger, als das Lernen zu erlernen und immerdar zu üben. Wer das Lernen erlernt hat, wird zu jedem Zeitpunkt seines Lebens die Volumina seines Kennens, Wissens und Könnens ausweiten, wobei die Unterscheidung von Allgemeinbildung und beruflicher Bildung an Bedeutung verliert, weil letztlich die persönlichen Interessen die Richtung vorgeben, denn eine solche Ausrichtung ist pure Privatsache, unabhängig davon, ob sie optimal ausfällt. 

 

"Hochunbegabte" (2003)

 Sie sind gemäß eines Kommentars zu PISA besonders häufig im "unteren Rand der Gesellschaft" anzutreffen, mit dem man übrigens leben müsse, weil nicht weg zu erziehen. Die Hochunbegabten müssten als Gegenstand des Unterrichts und der beruflichen Bildung entdeckt werden. Sie sind diejenigen, die über kein oder nur unzulängliches Elementar-wissen verfügen, welches die PISA-Studie ja zum Gegenstand hatte.

  Lassen wir uns darauf ein. Zugleich weigern wir uns zu definieren, was den unteren Rand der Gesellschaft ausmacht. Machen wir's uns leicht, indem wir voraussetzen, dass jedes Ding und Phänomen seine Ränder hat, seitliche, obere und untere. Aber die Hochunbegabten müssen etwas näher in Augenschein genommen werden. Sind Hochunbegabte dumm? Anders herum, sind Dumme hochunbegabt? Also, man wird zustimmen können, dass jede Menge Hoch-intelligenter herumlaufen, die strohdumm sind oder sich wenigstens so gerieren. Mit der Dummheit kommt man nicht weiter. Geht es also um Nicht-begreifen-können? Da habe ich doch ein Buch gelesen, das mit viel philosophischer Weisheit sich mit Gott und der Transzendenz beschäftigte. So ein Quatsch, dachte ich ein übers andere Mal. Einfach deshalb, weil ich wenig begreifen konnte und das Nichtbegriffene für Blödsinn hielt. Den Vorwurf, dass ich hoch-unbegabt sei, weise ich mit Empörung zurück. Machen wir es kurz: kann, weiss ein Hochunbegabter nichts oder nur sehr wenig, ist er unfähig? Wenn es so ist, dann stellte sich die Frage des Warum. Es ist aber nicht so. Alles hängt ab vom Lehr- und Lernvolumen. Das Pendant zeigt es.

  Der Gegensatz wären die Begabten. Sie sind mit einer Gabe ausgestattet. Wissen sie viel, weil sie begabt sind? Können sie viel, weil sie intelligent sind? Verhält es sich so, weil sie das Lernen beherrschen oder es nur tun? Ohne Zweifel ist der Ertrag des Lernens beim Intelligenten größer. Alle Voraussetzungen sind gegeben, dass das Niveau des Wissens und Könnens hoch sein wird. Wenn der Begabte aber nicht lernt, dann bleibt er unwissend und unfähig, eben auch so wie das Pendant. 

  Nun wären wir dort angelangt, wo die Aussage ansteht, dass der Hochunbegabte offensichtlich beschränkt lernfähig oder gar lernunfähig ist. Ist er lernunfähig, weil er unbegabt ist? Hängt alles an der Begabung, diesem Mitbringsel kraft Gen? Wenn das stimmt, dann braucht die Bildungspolitik Hochunbegabte gar nicht als Zielgruppe ins Visier nehmen. Zu retten gäbe es nichts. 

  Nun zeigen aber alle Erfahrungen, dass auch der Unbegabte lernfähig ist, wie sehr, sei dahingestellt. Entscheidend ist, dass das Lehren auch bei ihnen sinnvoll  ist und allen Aufwandes wert. Aber angenommen, der Lehraufwand würde kräftig dosiert, dann trägt beim Begabten und Unbegabten das Gesetz des abnehmenden Ertrages. Das bedeutet wohl, dass der Aufwand für die Unbegabten nicht so bemessen werden kann, dass die Potentiale zur Gewinnung von Eliten beschnitten werden müssten.

  Ein anderes Wort für Elementarwissen ist "Basiskompetenz". Es geht darum, auch Hochunbegabten ein gewisses Maß an Basiskompetenz zu vermitteln, so der Kommentar. An dieser Basiskompetenz mangele es allenthalben, wenn man die Ausbilder hört. Was ist denn nun aber die Basiskompetenz, was meint Elementarwissen? Mit Basis ist ein Grund gemeint, mit Kompetenz nicht eine Zuständigkeit, sondern eine Fähigkeit. Also, es geht um Wissen und Fähigkeiten. Lesen, Schreiben, Rechnen? Sicherlich. Elementarwissen, -fähigkeiten müssen als Sockel für Aufbauten fungieren können, Handwerkszeug für Weiteres. Unabdingbar, denn sonst geht "es" nicht.

  Obwohl wir also beim A und O gelandet sind, ist doch verwunderlich, dass wir noch nirgends einem genau definierten, beschriebenen, umgrenzten "Elementarwissen" begegnet sind. Man müsste meinen, dass sich solchem  der Dudenverlag längst hätte zuwenden müssen. Dann könnten nämlich zuständige Einrichtungen, wer immer diese sind, diese Basiskompetenzen mit Wucht und Nachhaltigkeit pauken, vermitteln, abprüfen, testieren und - was für eine Erleichterung - Alles, was außerhalb des Elementaren angesiedelt ist, ignorieren, einfach deshalb, weil sich für das Andere andere Zuständigkeiten bereithalten - müssen.

  Es verhält sich aber doch wohl etwas anders. Der "Aufbau", das "Darüber" hat zwar einen Anfang. Doch diese Anfänge setzen unterschiedlich voluminisierte und ausgelegte Sockel voraus. Es gibt Zonen, die werden von diesem  als elementar angesehen, von jenem einsichtigerweise als der eigenen Zuständigkeit zugehörend eingestuft. Wären hier die Lernmengen klar definiert, die Bildungs- und Ausbildungsstufen bündig und transparent für jedermann, gäbe es weniger Schuldzuweisungen wegen lückenhafter Wissensvermittlung. Überhaupt ist man versucht zu sagen, dass elementares Lernwissen zu lokalisieren und zu relativieren ist auf und für alle Lernstufen und berufliche Tätigkeiten. Immerdar ist ohne Fundamente nichts zu bewerkstelligen. Und nun gar die subjektiven Erwartungen und Einsichten je nach Standort! Ganz offensichtlich gibt es divergierende Vorstellungen darüber, was Basiskompetenz meint. Hand-werker, Schulen, die Universität, die Industrie, der Handel, die Politik, gemeiner Mann, Schüler, Student, Jauch, wer auch immer, sie alle werden über - erforderliche - Basiskompetenz jeweils andere Vorstellungen haben. Es ist offensichtlich, dass die Lösung solcher Erfordernisse nur Quantitäten beträfen. Was bliebe, wäre das Problem der Qualität, der Intensität der Verankerung, der Leichtigkeit des Zugriffs, der Verwendung der Potentiale, überhaupt der Fähigkeit der Nutzung generell.

 

Berufliche Affinitäten (1997)

  Die spezielle Situation verlangt nach einem allgemeineren Beurteilungshintergrund. Die Bezeichnungen Schreiner und Mechaniker dürften der Bevölkerung ein Begriff sein. Schreiner wird mit dem Material Holz assoziiert, Mechaniker nicht. Hier wird u. E. an Metall gedacht. Holz und Metallen dürften unterschiedliche Sympathiewerte entgegengebracht werden. Warum dem so ist, mag schwer zu ergründen sein. Hier ein Versuch: Ein Holzbearbeiter (Hobel) und ein Metallbearbeiter (Feile) haben unterschiedliche Schmutzerlebnisse bei althergebrachter Bearbeitungsweise direkt am Werkstück. Die Verformungserlebnisse sind beim Metall langsamere.

  Mechanik assoziiert möglicherweise "alteTechnik", nicht als Arbeitsweise, sondern als Produkt. Diese negative Besetzung überschattet sogar die "positive" Präfix "Holz-" im Falle Möbelwerk. Es mag sogar sein, dass in einem Zustand des Nichtinformiertseins unreflektiert die Meinung in den Köpfen sitzt, in einem Möbel herstellenden Unternehmen seien gewerblich-technisch nur Schreiner/Tischler zugange, denn ein Möbelstück und Schreiner/Tischler entsprechen sich assoziatorisch intensiv. Dass die Wirklichkeit auf das Gesamtthema bezogen eine ganz andere ist, kommt aber nur eingeschränkt zum Tragen. Sicherlich, weil es nicht gelingt, im vorberuflichen Stadium Produktions- und Arbeitswirklichkeiten zu transformieren, zu verdeutlichen. Denn:

  Als mechanisch zu definierende Produkte besetzen nach wie vor unsere Produktwelt in einem weit größeren Umfang, als das pausenlose Gerede von  der Dominanz der Elektronik vorgaukelt. Bilder von feilenden Menschen an verstaubten Werkbänken sind obsolet. Ob Holz oder Metall, der zu bearbeitende Werkstoff erlebt nur noch in geringem Maße ein menschlich-körperliches "Anlangen". Maschinen haben diesen Part weitgehend übernommen und auch das Verbringen des Produkts von einem Produktionsort zu andern geschieht mit technischen Mitteln.

  Die Werkstoffe Holz, Metalle, Textilfasern u. a. m. sind stofflich in gleicher Weise "natürlich", wenn möglicherweise noch dieser Aspekt zusätzlich eine Rolle in unreflektierter Affinität spielt. Holzprodukte sind vermutlich "schön", Produkte aus Metall werden vielleicht seltener oder kaum als ästhetisch erlebt, wenn nicht eine entsprechend wirkende Umhüllung dafür sorgt, aber faszinieren können sie alle Mal. Und mindestens beim Ersteinsatz sind sie blitzblank und später immer wieder, wenn man sich bemüht, sie zu reinigen oder sauber zu halten

  Bleibt zu resümieren, dass es offensichtlich auf die "Oberfläche" ankommt, nicht nur beim Rechner, am Bildschirm, nicht nur beim Fertigprodukt, sondern auch beim Prozess. Nachdem Defizite in potentieller Zuneigung nicht nur beim Holzmechaniker zu konstatieren sind, sondern bei einer ganzen Reihe anderer ähnlich gelagerter Berufe auch, ist es vielleicht notwendig, dass beim Anpreisen der Warenwelt nicht nur das Fertigprodukt und dessen Nutzen in die Hirne eingehämmert wird, sondern zusätzlich auch noch deren Entstehungsweise, Art, Umstände, Bedingungen u. a. m.

 

Konzerne, Ausbildungs-Trittbrettfahrer? (1996)

  Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit hat das Ausbildungsverhalten der Großbetriebe scharf kritisiert. Ob der Vorwurf zutrifft, soll hier nicht untersucht werden (auch nicht, was sich zwischenzeitlich getan hat). Interessant sind eigentlich nur zwei Hintergründe: Einmal ist dies der Aspekt der Kosteneinsparung beim Zurückfahren der Ausbildungsaktivitäten, zum anderen die verheerende Konsequenz, die sich daraus ergibt, dass die Ausbildungsquote (Lehrlingszahl im Verhältnis zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) auf unter 6 % gesunken ist.

  Zum Ersten: Wenn man davon ausgeht, dass ein Ausbildungsverhältnis durchschnittlich 3 Jahre dauert, dann beträgt die Lehrlingsjahrgangsquote weniger als 2 %, m. a. W.: jedes Jahr verlassen den Ausbildungsstatus 2 % der relevanten Beschäftigtenzahl. Das bedeutet, dass nur alle 50 Jahre die Gesamtbeschäftigtenzahl mit Nachwuchs ausgetauscht wird. Ein Konzern, der seine Mitarbeiter nur in solchen Zeitspannen nachrüstet, der jedes Jahr nur 2 % der Belegschaftszahl neu einstellt (Übernahme aus dem Ausbildungsverhältnis als Neueinstellung definiert), der kann nach unserem Urteilsvermögen nicht bestehen, auch dann nicht, wenn die Verjüngung in Brainstorm-Stellungen über-durchschnittlich intensiv betrieben wird.

  Zum Zweiten: Dem Stichtage, an dem die Reduzierung der Ausbildungsaktivitäten eingeleitet wird, ist ein bestimmtes Funktionsstellen-Kostenvolumen (Ausbildungsfunktion) zuzuordnen. Nun hat jeder einigermaßen ausgebildete Betriebs-wirt schon von dem Phänomen der Kostenremanenz gehört. Der Kostenblock der Ausbildung besteht nicht nur aus proportionalen, sondern auch aus fixen Kosten. Reduzierung der Ausbildung verringert nicht auch proportional die Fixkosten, vielmehr geht das nur - verzögert - stufenförmig. Fixe Kosten verursachen die Gehälter der Ausbilder, die Aufwendungen für die Gebäude, in denen die Ausbildung untergebracht ist, die Abschreibungen auf das Inventar dort und die Zinsen auf das investierte Kapital - die Finanzierungsweise spielt keine Rolle. Als variabel bieten sich die Ausbildungsvergütungen an. Ist in der Proportion nun der variable Teil so gewichtig, so einsparungsträchtig? Bis die Kostenremanenz neutralisiert ist, zeichnet sich bereits wieder das Erfordernis ab, die Ausbildungsplanung hoch zu fahren.

 

Verantwortung für Ausbildung (1995)

  Der IG Metall ist die Konjunkturabhängigkeit des betrieblichen Aus- und Weiterbildungsangebotes ein Dorn im Auge. Zunächst: dass eine solche Diagnose als richtig zu bezeichnen ist, ist schlimm genug. Wenn schon die Wirtschaft mit Recht Vergesellschaftungsbestrebungen da und dort eindämmen will, dann muss sie selbst dafür sorgen, dass sich Ansatzpunkte hierzu gar nicht erst herausbilden, zumindest in ihrem ureigensten Aufgabenfeld. Das anzutreffende kurzzeitige Denken bei Ausbildungsaktivitäten ist ein Armutszeugnis.

 Aber anstatt brauchbare Verfahrensalternativen anzubieten, fällt der IG Metall nichts anderes ein, als - mal wieder - nach öffentlicher Kontrolle und Verantwortung zu rufen und eine gesellschaftliche Reform des beruflichen Bildungssystems - was immer das sei - anzumahnen.

  Zunächst: haben wir nicht zuständige Kammern mit öffentlich-rechtlichem Status? Wer soll denn sonst noch zur Kontrolle und Verantwortung berufen sein? Die Gewerkschaften etwa? Was wäre denn die Alternative zur "einzel-betrieblichen Finanzierung"? Eine gesellschaftliche? Also Finanzierung über Steuern? Was soll so finanziert werden? Weitere Behörden? Oder etwa die Ausbildungsvergütung der Azubis? - Oder gar "Lehrgeld"? Das wäre jedoch ein gewerkschaftliches Eigentor. - Lauter offene Fragen.

  Meckernderweise machen wir das Spiel mal mit. Angenommen, die Ausbildungsbetriebe bekommen ihre Ausbildungskosten samt und sonders vom Staat ersetzt - aus dem Steuertopf? Aus Umlagen? Umlagen, zu tragen von wem speziell? Abgesehen davon, dass die Berufsschulen eh schon öffentlich finanziert werden, kann es nur noch um die betriebspraktische Ausbildungstätigkeit gehen. Was geschähe? Die praktische Mitarbeit im Ausbildungsbetrieb  wäre umsonst eingebracht. Sie wäre eine solche gar nicht mehr. Sie wäre nur noch Vollzug einer aktiven Ausbildungsfunktion des Ausbilders. Die Lernhandlung wird so auf einen schieren Lernakt reduziert, ganz wie in der Schule. Tatsächlich ist die Lernhandlung in der Ausbildung schon immer und wohl auch zukünftig ein ganzes Stück weit eine produzierende Mitwirkung, Produkt schaffende Tätigkeit. Learning by Doing.

  Als solche ist sie eben kein Wurmfortsatz der schulischen Bildung, sondern Eingangsprozess der beruflichen Tätigkeit. Wenn nun dieses Feld so gestellt wird, wie die Schulstufe zuvor, dann haben wir es beim Ausbildungsende analog zum "Entlassschüler" mit einem "Entlasslehrling" zu tun. Ein solcher wird hinausgekippt auf den Arbeitsmarkt, so, wie es dem Schüler und Studenten passiert. Die Verantwortung für die frisch Ausgebildeten wäre ja vergesellschaftet. Die Wirtschaft zöge keinen Nachwuchs mehr heran, sie "deckte" berechtigterweise nur noch ihren Nachwuchsbedarf aus diesem Reservoir, ein Reservoir übrigens, das den Bezug zum Bedarf nach Quantität und wohl auch qualitativ verloren hätte. Dies geschähe nicht zuletzt deswegen, weil der Auszubildende (nun gewönne der hässliche Begriff plötzlich eine fatale Richtigkeit!) ja auch - sic! - eine preiswerte Arbeitskraft wäre, obwohl terminologisch diese Eigenschaft ja abhanden käme.

  Dann doch lieber die jetzt praktizierte Ausbildungsregelung in der Form der betrieblich eingebetteten Disposition, ohne sozialisierenden Einfluss gewerkschaftlicher Gemütslage. Mag sein, dass das Ausmalen gewerkschaftlicher Intentionen deren wahre aber nach Zitat immerhin kryptische Substanz schlechtweg verfehlt hat, doch konnte wohl eine "vergesellschaftete" Alternative umrissen werden.

 

Abbrecher (1990)

(Das Problem dürfte heutzutage immer noch virulent sein.)

 Immer mehr Lehrlinge in der Bundesrepublik brechen ihre Lehre vorzeitig ab. Die Erwartung, dass mit der Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt auch die Zahl der Abbrecher zurück geht, habe sich nicht erfüllt, so das nordrhein-westfälische Landesarbeitsamt. (20 % ist in dessen Bezirk 1988 die Quote gewesen.) Wenn man in dem Bericht weiter liest, dann tritt zutage, dass angeblich die Lehrherrenseite schuld daran sei. Das würden die Abbrecher sagen! Also muss es stimmen.

  Wir sehen das anders. Nicht wird die Behauptung vertreten, dass es sich bei den Abbrechern um larmoyante Charaktere handeln mag. Es war schon immer so, dass es Jugendliche mit mehr und mit weniger Durchstehvermögen gab und gibt. Ist es bei den Erwachsenen denn anders? - Vielmehr möchten wir daran erinnern, dass es für die Berufsanfänger wie eh und je "Traumberufe" gibt, in doppeltem Sinne. Einmal träumen viele von einem Beruf, über dessen reale Inhalte und Anforderungen in der Praxis nur wenig Vorstellung vorhanden ist, zum anderen entwickelt jeder zu einem bestimmten Beruf rein gefühlsmäßig eine besondere Affinität. Sich eine rationale Rechenschaft darüber abzugeben, ist oft schwierig. Für bestimmte Berufe häufen sich bekanntlich die Zuneigungen, so dass man von "Modeberufen" spricht.

  Eine allgemeine Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt ist noch lange keine spezielle. Also wird man nach wie vor in einen weniger geliebten Beruf abgedrängt, kann man nicht mit heraus ragenden Zeugnissen glänzen. Frust und Enttäuschung ist da schnell zur Stelle. Vielleicht fehlt es oft an der nötigen Einstellung zu den Härten des Berufslebens durch eigene Zucht und diejenige durch die beauftragten Erzieher. Die These des - verklärten - Kommunismus bzw. Sozialismus "Jeder nach seinen "Bedürfnissen" funktioniert eben in der praktischen Lebenswirklichkeit nicht.

  Es gibt ungeliebte Berufe fürwahr! Aber langfristig wird die Gesellschaft bereit sein müssen (!), sie  (mit hohem Einkommen und besserem Ansehen) zu versüßen. Wenn nicht, wird auch der Inhaber eines Modeberufes zumindest ausschnittsweise einem Leistungsangebotsmangel begegnen, dem er nur mit außergewöhnlich hohen Entgelten beikommen kann. - Übrigens: Auch wenn die angehenden Lehrlinge derzeit wieder unter mehreren Angeboten wählen können, so finden doch nur 2/3 der Bewerber eine Lehrstelle, die "voll ihren Interessen" entspricht. So das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Lebenssinn

 

Das Altern ist der Jugend Frust;

Die Jugend war für Alte Lust.

Nichts davon ist abbedungen.

Das Ganze macht’s. Es sei gelungen.

 

Das gehet nicht für sich allein!

Einsamkeit bereitet schmerzlich Pein.

Drum findet in Freundschaft oder Liebe,

einen Sinn für Eure Triebe!

                                                                EL

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